AdT: Addie (09.08.2022)

Historische Abbildung eines grünlich-gelben Apfels mit kurzen roten Streifen und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA

Addie; © USDA

Der heutige Apfel des Tages ist der Addie, die Abbildung stammt von Amanda Newton, die sie 1920 für die Pomological Watercolor Collection des USDA angefertigt hatte – es ist dort die einzige.

Bei dem etwas merkwürdigen Namen hatte ich nicht allzu viele Informationen erwartet – und lag richtig … Der Apfel stammte zwar von der Versuchsstation in Rosslyn im Arlington County, Virginia, dort gibt es aber kein Protokoll zur Sorte.

Immerhin fand sich die Sortenbeschreibung in der Broschüre der Firma Brand & Son aus dem Jahr 1903. Die Firma hatte einige Neuzüchtungen im Angebot, unter anderem eben auch den Addie.

Der Addie war aus dem Peerless* und dem Meaders Red Winter gekreuzt worden und wird als „3/4 Apfel und 1/4 Holzapfel“ beschrieben. Er sei deutlich größer als der Transcendent (eine Holzapfelsorte), dabei etwas abgeflacht. Die gelbe Schale ist mit hellem und dunklem Rot gesprenkelt und gestreift – auf der Abbildung gefällt mir der Apfel ganz gut.

Der erst von Januar bis April eßreife Apfel hat eine milde Untersäure – mehr wollten Brand & Son nicht verraten, vielleicht war da auch nicht mehr.

Sie boten stattdessen eine kleine Anekdote an:

Im Herbst 1900 ernteten wir diese Frucht in den ersten Novembertagen. Der Baum stand etwas abseits vom Haus in der Nähe der Straße, wir hatten bis dahin noch nie viele Äpfel bekommen.

In diesem Jahr verhafteten wir einen Dieb. Er wurde mit einer Geldstrafe von 22 $ belegt. Danach wurden keine Äpfel mehr gestohlen, …

Sie ließen dann die Äpfel so lange wie möglich am Baum hängen, die Äpfel bekamen sogar einigen Frost ab. Gelagert waren sie ab Januar eßbar, aber immer noch recht hart. Im Februar und März waren sie viel besser, sie konnten ohne Probleme bis April gelagert werden.

Der Addie sei zu klein, um in großer Zahl gepflanzt zu werden. Aber da die Bäume sehr selten seien, sie große Ernten von „Äpfeln mit dem allerbesten Geschmack“ bringen, die bis in den November hinein fest am Baum hängen und sich dann bis April halten, empfehlen sie (ganz selbstlos) den Anbau.

Am besten sei es, den Addie in der Nähe zu haben, dann könne man

morgens einen essen, bevor wir unsere Weste zuknöpfen, dann noch einen, während wir das Küchenfeuer machen, ein oder zwei am Vormittag, ein paar kurz nach dem Abendessen und so weiter bis kurz vor dem Schlafengehen, wenn zwei oder drei von ihnen beide gesund und verträglich sind.

Daß ein kleiner Apfel vor dem Zubettgehen einen gesunden Schlaf bringen soll, habe ich auch schon gelesen. Von meinen Versuchen kann ich leider wegen fehlender Kontrollgruppe keine verläßlichen Ergebnissen mitteilen. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, nach einem späten Apfel schlecht geschlafen zu haben.

Einem Artikel von Grace Webb Brandt in der Faribault
Daily News konnte ich entnehmen, daß Brand & Son dort die Pfingstrosen-Zucht ganz groß machten, die Pflanzen in alle Welt verkauften und Faribault in den 1920er Jahren zur „Pfingstrosen-Hauptstadt der Welt“ wurde – mit Pfingstrosen-Paraden und Pfingstrosen-Königinnen.

Die Firma hatte noch recht lang Bestand, wurde 1956 nach dem Tod von Archie Brand an Bob and Archie Tischler verkauft, 1967 wechselten nochmals die Eigentümer, bis die Stadt in den frühen 90ern das Gelände kaufte und für „Entwicklungsprojekte“ aufteilte. Anfang der 2010er Jahre waren dann die letzten Gebäude der Firma Brand & Son verschwunden. Doch könne bei der Fahrt durch die Stadt bis heute gesehen werden, wie sehr Brand & Son die Geschichte der Stadt beeinflußte, als sie den Gartenbau nach Faribault brachten.

Die Künstlerin

Amanda Almira Newton (ca. 1860-1943) arbeitete von 1896 bis 1928 als Illustratorin für das USDA. Sie war eine der produktivsten Mitarbeiter*innen (von denen es über 50 gab), mehr als 1.200 Aquarelle sind in der Sammlung erhalten. Außerdem hat sie rund 300 Wachsmodelle von Früchten hergestellt. Die Illustrationen und Wachsmodelle sollten vor allem den Obstbauern, die in den USA gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Plantagenbetrieb begannen, als Anschauungsmaterial dienen.

Und sonst:

Mit einem kalauernden Übergang („Keine Witze mit Namen!“) erwähne ich den Hit Just Like Eddie aus dem Jahr 1963, um auf die durchaus interessante Biographie des Sängers Heinz Burt hinzuweisen (ausführlicher in der englischen Wikipedia).

………………..

*Der Peerless wurde auch für den hier schon ausführlich beschriebenen Allgold verwendet, der als zweites Elternteil den Wagener hatte.

© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

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