AdT: Arkansas Red – und ein Ausflug in die Wirtschaftsgeschichte (22.05.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-roten und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA

Der Arkansas Red, von Deborah Griscom Passmore 1899 in Washington County, Arkansas gemalt;©USDA

Leider gibt es zum heutigen Apfel des Tages, dem Arkansas Red, keine Informationen. Bei den Apples of New York taucht er gar nicht auf, und in Creighton Lee Calhouns „Old Southern Apples“ gibt es nur einen kurzen Eintrag, der auf die Abbildung aus dem USDA hinweist. Die Entstehung der Sorte vermutet er vor 1899, wahrscheinlich in Washington County, Arkansas.

Darum gibt es hier einen kleinen Ausflug in die Geschichte des Apfelanbaus in Arkansas.

Äpfel wurden von Siedlern aus Tennessee, Carolina und Georgia nach Arkansas gebracht. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Anbau in Arkansas, doch besonders das Ozark-Plateau im Nordwesten von Arkansas wurde zur dominierenden Region für die Apfelproduktion.

Zunächst gab es noch viele Küchengärten, doch der Bedarf wuchs so stark, daß ab 1835 Baumschulen gegründet wurden. Die erste kommerzielle Apfelplantage wurde von einer Cherokee in der Nähe von Maysville im Benton County gegründet. Nach dem Ende der Sklaverei mußte diese aber geschlossen werden. Um 1870 wurden dann zahlreiche weitere Plantagen gegründet, der Ertrag überstieg um 1880 bereits die Menge, die wegen fehlender Verkehrsanbindung transportiert werden konnte – ein Großteil der Ernte mußte vernichtet werden.

Erst mit neuen Eisenbahnlinien gab es einen Zugang zu entfernten Märkten bis nach Maine und Saskatchewan. Diese neuen Absatzmärkte führten von 1880 bis 1920 zu einem massiven Anstieg der kommerziellen Obstplantagen im Nordwesten von Arkansas. Die Anbaufläche wuchs von einigen hundert auf viele tausend Hektar. Mit Washington County wurde es zum größten Apfelanbaugebiet in den USA.

Dazu entstand eine Industrie, die sich um Fassherstellung, Apfeldörren, Destillation von Saft, Verpackungshallen und Eisherstellung kümmerte. Fässer, die 140 Pund Äpfel faßten, waren bis in die 1920er Jahre beliebte Transportbehälter, obwohl es schon Kisten gab. Das Dörren wurde bis 1901 die Haupterwerbsquelle in der Gegend – 1920 gab es kaum noch Betriebe.

Blick auf ein altes Universitätsgebäude, links und rechts stehen Bäume; Public Domain, User: Brandonrush

Das Gebäude für Agrarwissenschaft an der Universität von Arkansas; @Public Domain

Die 1871 gegründete Arkansas Industrial University unterstützte durch Experimente im Bereich des wissenschaftlichen Gartenbaus die Apfelindustrie. Die Arkansas State Horticultural Society veranstaltete jährliche Treffen an verschiedenen Orten in der Region, um das Wissen über die Obstgartenkultur zu verbreiten. Apfelsorten spielten eine wichtige Rolle bei den Erfolgen und Mißerfolgen der Obstgartenindustrie.

1901 wurde die Apfelblüte zur Staatsblume erklärt. Dies folgte einer leidenschaftlichen Bitte von Love Barton, einer Frau aus Searcy (White County), die jedem Mitglied der Abgeordneten-Versammlung einen leuchtend roten Apfel überreichte. Das war noch Lobbying …

Äpfel aus Arkansas gewannen auf zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen Preise und Auszeichnungen, darunter der Arkansas Black.

1924 gab es in Rogers im Benton County das erste Apfelblütenfest. 1926 zog es über 30.000 Menschen an, viele reisten aus benachbarten Städten mit Sonderzügen an. Von 1932 bis 1942 sponserte die Zeitung Southwest Times Record aus Fort Smith Apfelblütenwallfahrten und verteilte Straßenkarten an Obstplantagen. Über 1080 Autos wurden 1934 an einem Kontrollpunkt in der Nähe von Rogers gezählt.

Die Stadt Lincoln belebte das Festival wieder und hat seit 1975 jedes Jahr ein Arkansas Apple Festival. In den letzten Jahren wurde die Apfel-Aspekt allerdings durch Kunst- und Handwerksaussteller etwas ins Abseits gestellt.

Der aus Tennessee eingeführte Ben Davis war die führende Sorte, die von 1889 bis 1930 angebaut wurde, obwohl sie schon 1905 wegen ihrer schlechten Eßqualität und der niedrigen Preisentwicklung für die Obstbauern nicht mehr empfohlen wurde. Diese und andere minderwertige Äpfel wurden getrocknet oder zu Essig verarbeitet.

Besonders die minderwertigen Sorten brachten Plantagen aus Arkansa einen schlechten Ruf und führten zu einem drastischen Rückgang der Nachfrage. Dazu kamen Baum- und Fruchtkrankheiten, die sich durch die ausgeprägten Monokulturen besonders leicht verbreiteten, was die Rentabilität verringerte. Die aufstrebende Apfelwirtschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts war in den 1960er Jahren enorm zurückgegangen.

Heute gibt es in Arkansas weniger als 150 Züchter mit einer durchschnittlichen Anbaugröße von weniger als 2 Hektar. Jonathan, Golden Delicious, Red Delicious und Gala sind immer noch die wichtigsten Sorten, es gibt allerdings auch den Trend, neue Sorten anzubauen. Neben dem geringen Export haben inzwischen lokale Bauernmärkte, Stände am Straßenrand und Hofläden als Verkaufsmöglichkeiten an Bedeutung gewonnen.

Ausführlich kann die Geschichte in der Arkansas-Enzyklopädie (engl.) nachgelesen werden.

Und über das Ozark-Gebiet informiert das (nur gaaaanz leicht touristische) Video The Ozark Mountain Region of Arkansas: An Introduction

Die Künstlerin

Deborah Griscom Passmore (1840–1911) war eine der Illustratorinnen des USDA, dort leitete sie die Pomologische Abteilung. Bis heute gilt sie als eine der wichtigen Künstlerinnen in diesem Bereich.

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© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

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