AdT: Burchardt’s Reinette (04.02.2022)

Historische Abbildung eines gelben, mit einer Netzartigen Zeichnung bedeckten und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo
Burchardt’s Reinette; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist Burchardt’s Reinette, die Abbildung stammt aus den Pomologischen Monatsheften.*

Im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF) hat Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) einiges zum Apfel geschrieben, er war 1852 auch wohl der erste, der die Sorte beschrieb. Ich hatte erwartet, daß die Sorte nach ihrem Züchter benannt wurde, lag damit aber falsch.

Tatsächlich hatte der Baltendeutsche Nicolai Anders von Hartwiss (1793-1860) den Apfel in Nikita auf der Krim gezüchtet. Dort gab es seit 1812 einen Botanischen Garten, der heute noch existiert, Hartwiss war dort von 1827 bis zu seinem Tod Direktor. Er ehrte mit dem Apfel den Justizrat und Pomologen Theodor Heinrich Otto Burchardt (1771-1853), der in Landsberg an der Warthe lebte. Burchardt wiederum hatte den Müller’s Spitzapfel gezüchtet und ihn einem Herrn Müller sen. aus Züllichau (Sulechów) dediziert.**

Und Oberdieck hatte, um hier die Kurve zu bekommen, von Burchardt und Müller seine Reiser des hier besprochenen Apfels erhalten.

Burchardt’s Reinette hat mit 2 1/2 bis 3 Zoll Breite und 2 bis 2 1/2 Zoll Höhe eine leicht platte Form. Der Bauch ist recht mittig, es zeigen sich breite Erhebungen, die die Rundung verschieben können.

Die feine, glänzende Schale ist beim Ernten noch grünlichgelb, wandelt sich dann aber zu einem schönen Gelb. Beim Lagern wird sie etwas geschmeidig. Auf der Sonnenseite können frei hängende Äpfel eine matte, etwas gelblich-rötliche verwaschene Färbung zeigen. Auffallend ist der netzartige Überzug durch zimtartigen Rost, wodurch die Schale sich leicht rauh anfühlen kann. Punkte gibt es wenige, die Schale weist keinen Geruch auf.

Das weiße, feine Fruchtfleisch ist sehr saftig und hat einen weinigen, gezuckerten und recht angenehmen Geschmack.

Gegessen werden kann der Apfel nach Oberdieck ab Ende September, er ist mehrere Monate lagerbar. (Engelbrecht gibt die Genußreife dagegen mit Ende Oktober bis Ende Dezember an.) Oberdieck rät zum recht frühen Pflücken, da er beobachtete, daß Ohrwürmer sich gern an den am Baum hängenden Äpfeln laben und letztere dann faulen.

Als Tafelapfel gut nutzbar, kann er aber auch in der Küche vielfältig verwendet werden. Der Baum verträgt leichten wie schweren Boden und bringt früh und reichliche Ernte.

Und sonst:

Falls jemand bei den vielen gewidmeten Äpfeln die Übersicht verloren hat: Einfach Graf Zahl und Krümelmonster zuschauen, wie sie Äpfel zählen 🙂

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* Diese wurden 1855 von Eduard Lucas (1816-1882) und Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) als „Monatsschrift für Pomologie und praktischen Obstbau“ (1855-1865) gegründet. Sie hieß später „Illustrierte Monatshefte für Obst- und Weinbau“ (1865-1874), eben „Pomologische Monatshefte“ (1875-1905) und „Deutsche Obstbauzeitung“ (1906-1922).

**Er hatte außerdem aus dem Kern eines weißen Wintercalvills Willy’s gelbe Reinette gezogen, die er nach seinem Sohn Wilhelm benannte. Und seine Landsberger Renette kommt hier am 18. November dran.

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