AdT: Christ’s Gelbe Reinette (13.09.2018)

Historische Abbildung zweier gelblich-grüntlicher und eines aufgeschnittenen Apfels; dazu ein Zweig und Blätter; BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Christ’s Gelbe Reinette; ©BUND Lemgo

Heute freue ich mich mal wieder über eine Kalenderabbildung aus Jakob Gustav Pfau-Schellenbergs (1815-1881) schönem Band „100 alte Apfel- und Birnensorten“. Der heutige Apfel des Tages ist Christ’s Gelbe Reinette, auch Späte Gelbe Reinette. Die Herkunft ist nicht sicher, Johann Georg Dittrich (1783-1842) nennt Brüssel. In der Schweiz war sie zu Pfau-Schellenbergs Zeit eine der besten alten und eine sehr verbreitete Sorte, die sich auch gegen neuere Sorten behaupten konnte.

Die Äpfel sind mittelgroß bis groß und können stumpf kegelförmig oder kugelig wachsen, immer aber ungewöhnlich regelmäßig und schön. Am Kelch gibt es einige unauffällige Rippchen, die das Bild aber nicht stören.

Die dünne und dennoch zähe Schale ist zunächst hellgrün, wobei deutlich dunklere Punkte zu sehen sind. Bei stark besonnten Früchten kann ein schwaches, verwaschenes Rot auftreten, das durch etwas stärker gerötete Flecken marmoriert erscheint. Beim Reifen wandelt sich die Grundfarbe in ein schönes Gelb, nur in der Stielhöhle und an den Punkten bleibt die ursprüngliche grüne Färbung.

Das mürbe, gelbliche Fruchtfleisch des lagerreifen Apfels ist „von feinem Korn“ (das erste Mal, daß ich diese Beschreibung lese), am Bruch wirkt es fast kristallin. Leider beschränkt sich Pfau-Schellenberg beim Geschmack auf ein „sehr angenehm“. Wenn ich dazu die klassischen Renetten-Komponenten würzig, weinig und fein dazu nehme, könnte es ein Apfel nach meinem Geschmack sein.

Pfau-Schellenberg weist auf die sehr lange Haltbarkeit hin: Mitte April sind die ab Dezember genußreifen Äpfel oft kaum welk und immer noch von gutem Geschmack, er berichtet sogar von einem Exemplar, das am 3. Juni 1871 noch ganz angenehm und mürb war und bei dem zudem die jetzt dünne „zarte Schale in großen, zusammenhängenden Fetzen leicht abgeschält werden“ konnte.

Gustav v. Flotow (1789-1864) geht im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF) auch auf die Synonyme ein, er vermag ebenfalls keinen Unterschied zwischen Christ’s Gelber und der Späten Gelben Reinette festzustellen. Bei ihm sind noch ein paar mehr Details zu finden – sein Beitrag sei hiermit empfohlen. Wie ich ja fast immer eine vergleichende Lektüre recht interessant finde.

Und zum Schluß verweise ich schnell noch auf vermutlichen den Namenspatron: Johann Ludwig Christ (1739-1813) war ein deutscher Pfarrer, Pomologe und Insektenkundler. Seine Bücher, die lange als Standardwerke galten, waren populär geschrieben. Zudem setzte er auf Volksbildung, um den Kleinbauern um Frankfurt herum mehr Einkommen zu ermöglichen. Man nannte ihn wohl auch den „Obstpfarrer“.

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