AdT: Deutscher Edelborsdorfer – so very very old … (01.05.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen Apfels am Zweig mit Blättern und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo

Edelborsdorfer nach Langethal; ©BUND Lemgo

Mit dem Edelborsdorfer kommt wieder ein Apfel des Tages auf das Kalenderblatt, der zu den roten Reinetten zählt und damit geschmackvoll zu sein verspricht. Aus Sachsen stammend, gilt er als die älteste noch existierende Kulturapfelsorte Deutschlands, die besonders in süddeutschen und österreichischen Bauerngärten lange Zeit recht verbreitet war. Nach einem Fehler in den 1980er Jahren wurde sie falsch vermehrt, allerdings sollen vor einigen Jahren noch ursprüngliche Bäume gefunden worden sein. Die Wikipedia bietet zur Herkunft und Geschichte einen spannenden Artikel.

Synonyme sind Borsdorfer, Edler Winterborsdorfer, Leipziger Renette, Weißer Winterborsdorfer, in Österreich und Bayern auch Marschanzker. Durch Königin Charlotte, die sich auch um den Ausbau der botanischen Anlagen von Kew Gardens verdient machte, soll er in England eingeführt worden sein. (Und nach ihr, die aus Mecklenburg-Strelitz stammte, wurde die Strelitzie benannt.)

Christian Eduard Langethal (1806-1878) beginnt in seinem Deutschen Obstcabinet, aus dem auch die Abbildung stammt, gleich mit der Einordnung „Ersten Ranges“.

Langethal braucht dann aber zunächst viele Worte, um zu sagen, was Johann-Heinrich Rolff in seinem Buch „Der Apfel“ knapper faßt: „Durch das wenig ansehnliche Äußere und die Warzenbildung scheidet die Sorte für den Erwerbsobstbau aus.“ Um dem Apfel dann im nächsten Satz robusten Wuchs und hervorragenden Geschmack zu attestieren. Es scheint, daß die Optik bei der Kaufentscheidung schon immer eine hervorragende Rolle spielte.

Die feine und feste Schale ist wachsartig glänzed und hat zunächst ein ins Grünlich spielendes Weißgelb. Beim Reifen wechselt dies dann zu einem schönen Goldgelb, auf der Sonnenseite zeigt sich ein Karmin oder auch Blutrot. Roststreifen und Warzen zeigen sich fast immer, die vorhandenen feinen Punkte sind weitläufig verteilt.

Das feine weiße Fruchtfleisch ist fest und abknackend, allerdings nur mäßig saftig. Der Geschmack dagegen ist weinartig süß und hat einen ganz eigenen Geschmack. Er ist sowohl als Tafel- wie auch als Küchenapfel vorzüglich geeingnet. Geerntet wird er ab Mitte Oktober, am besten schmeckt er dann im Dezember und Januar; bis März kann er dann auch noch als guter Küchenapfel verwendet werden.

Schon 1853, als Langethals Band über die Äpfel erschien, wurde die Sorte bereits durch andere, auch ausländische Sorten verdrängt . Als Ursache sah Langethal die lange Zeit, die der Baum bis zum ersten Ertrag braucht. Über 100 Jahre alt werdend, dauert es 20 oder mehr Jahre, bis er volle Ernten bringt. Und ist dann auch sehr vom Boden abhängig, was sich auf die Früchte niederschlägt. Wenn dieser optimal ist, wird der „Baum ein wahres Capital, welches fast jährlich seine reichlichen Zinsen bringt“. Den anderen Reinetten und Calvillen sei der Edelborsdorfer dann immer überlegen und bringe auch bessere Preise.

Und sonst:

Wie beim Edelborsdorfer haben die Zisterzienser auch bei der hier schon beschriebenen Grauen französischen Renette eine entscheidende Rolle gespielt.

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