AdT: Granny Smith – sauer macht lustig? (08.04.2022)

Historische Abbildung eines grünen und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA
Ein Granny Smith; © USDA

Die Abbildung des Apfels des Tages hat Royal Charles Steadman 1925 für die Pomological Watercolor Collection des USDA angefertigt, das Exemplar stammt von der Versuchsfarm in Rosslyn im Arlington County, Virginia.

Diese Sorte hat mich hier im Kalender etwas überrascht. Schließlich zählt der Granny Smith zu den weltweit verbreiteten Sorten und war lange der Apfel überhaupt. Aber tatsächlich handelt es sich um eine alte Sorte. Und daß sie aus Australien stammt, war mir neu.


1868 hatte Maria Ann Smith (1799-1870) in Eastwood bei Sydney einen Zufallssämling aus einem Holzapfel gezogen und dann abgewartet, wie der sich entwickelt. Es wird vermutet, daß die Bestäubung mit einem Kulturapfel eben zu der neuen Sorte führte.

Nach ihrem Tod kaufte Edward Gallard die Farm, entwickelte die Sorte weiter und nannte sie zu Ehren der Züchterin eben „Granny Smith“. In der Folge wurde der Granny auf immer mehr Plantagen angebaut, Mitte der 1930er zunächst nach Großbritannien exportiert, bevor er ab den 50er Jahren den Markt Mitteleuropa „eroberte“.

Der Granny hat gerade für den Export einige Vorteile: Durch die dicke Schale ist er auch für lange Transportwege geeignet, zudem läßt er sich sehr lange lagern. Aber leider wurde er für den Transport sehr früh geerntet, kam dann oft „unterentwickelt“ in die hiesigen Geschäfte und verdarb mit seinem sehr sauren und sonst eher wässrigen Geschmack manchen die Freude an Äpfeln – wie auch die Massensorte Golden Delicious, über die ich schon geschrieben hatte. Zudem zählt die Sorte zu denen, die für Menschen, die auf Äpfel allergisch reagieren, nicht geeignet sind.*

Der Granny braucht ein sehr heißes Klima, zugleich muß er lange reifen. Durch den ersten Punkt war er für den Anbau in Deutschland nicht geeignet, in Südeuropa wurde er dagegen, ebenso wie im Westen der USA, viel angebaut. Der zweite Punkt wurde für den Export immer vernachlässigt, was der Sorte eben nicht gerecht wird. Auch da trifft er sich mit dem Golden Delicious. Meist wurde er daher zum Backen oder Kochen verwendet, wofür er durchaus geeignet ist.

Wenn ich die durchaus begeisterten Geschmacks-Berichte lese, die Grannys bekommen, wenn sie bis in den Februar hinein am Baum blieben, finde ich es traurig, daß die Sorte „unter Wert“ vertrieben wurde.

In den 90ern verlor der Granny seinen Marktanteil, die Kundschaft wollte farblich abwechslungsreichere und vor allem auch süßere Äpfel. Immerhin schaffte er es 2013 noch auf eine Sondermarke des US Post Service.

Und wer noch ein Album des Beatles-Labels Apple Records hat, kann den Granny auch in Bewegung sehen 🙂

Der Künstler

Der 1875 geborene Royal Charles Steadman gehörte wie Ellen Isham Schutt (1873–1955), Mary Daisy Arnold (ca. 1873–1955) und Deborah Griscom Passmore (1840–1911) zu den Illustrator*innen beim USDA und arbeitete dort seit 1915 als „pomological artist“. Er ist mit 892 Dokumenten in der pomologischen Aquarellsammlung verzeichnet.

………………..
* Beim BUND Lemgo gibt es eine gute Übersicht zu Apfelsorten und ihre Verträglichkeit (PDF).

© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.