AdT: Grauer Rurstiel – und ein bißchen Tabellenkalkulation (23.05.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo
Der Graue Kurzstiel; ©BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages wird besser unter dem Namen Grauer Kurzstiel gefunden … Bei „Stiel“ ergänze ich inzwischen ja schon immer mit „Kurz-“

Die Abbildung stammt wieder aus dem Deutschen Obstcabinet von Christian Eduard Langethal (1806-1878). Ich habe oben das etwas schönere Exemplar aus der Obstsortendatenbank vom BUND Lemgo verwendet.

Eduard Lucas (1816-1882) vermutet im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF), daß der Apfel ursprünglich aus Frankreich stammt, da er dort sehr verbreitet und zudem im Katalog der Pariser Kartäuser verzeichnet ist. In Frankreich wurde er auch Le Gros Courtpendu oder Gros Fenouillet genannt, die frühesten Erwähnungen der Ur-Sorte, dem Court-Pendu, finden sich in der Normandie: 1423 in Andelys, in Anneville-Sur-Seine und in Rouen. Um 1875 wurde der Apfel allerdings in Deutschland und besonders in Württemberg ebenfalls großflächig angebaut.

Der große, plattrunde Apfel hat eine leicht rauhe Schale; wo der Rost fehlt, ist sie glatt. Am Baum ist der Apfel zunächst hellgrün, wird später gelbgrün und zuletzt mattgelb. Auf der Sonnenseite findet sich eine matte Röte. Ein zimtgrauer, manchmal auch goldartiger Rost bedeckt den Apfel unterschiedlich stark, er ist aber eher fein. Außerdem gibt es noch zahlreiche Punkte.

Das weißgelbe und feine Fruchtfleisch wird bei vollständiger Reife fast markig und hat einen gewürzten, süßweinigen Renettengeschmack.

Der Apfel ist im Dezember genußreif und läßt sich bis in den April hinein lagern. Er ist als Tafelapfel wie auch als zum Mosten sehr geeignet und hat wohl gute Preise auf dem Markt erzielt. Theodor Engelbrecht (1813-1892) nennt in seiner Beschreibung zudem noch eine Ähnlichkeit mit der Pariser Rambour-Reinette, die wir hier schon als Weiße Antillische Winterreinette hatten.

Historische Abbildung zweier rostfarbiger Äpfel, einem Zweig, Blättern und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo Obstsortendatenbank
Graue portugiesische Reinette, von Jakob Gustav Pfau-Schellenberg; ©BUND Lemgo

Der Graue Kurzstiel gehört zu den Grauen Reinetten. Über die hat Jakob Gustav Pfau-Schellenberg (1815-1881) eine umfangreiche Untersuchung durchgeführt, die in seinem Band „100 alte Apfel- und Birnensorten“ nachzulesen ist. Die Grauen Reinetten sind nicht ganz leicht zu unterscheiden, weshalb er einen Aufruf (quasi ein frühes Crowdfunding) gestartet hatte: „Lederäpfel zur Untersuchung an uns einzusenden“.

Pfau-Schellenberg hatte eine ganze Menge unterschiedlicher Grauer Reinetten erhalten, die wegen ihrer Schale auch Lederäpfel genannt werden. Dabei stellte er fest, daß in der Schweiz in einigen Gebieten zahlreiche Lederäpfelsorten „in besonderer Vollkommenheit gedeihen“.

Im direkten Vergleich und mithilfe seiner Anschauungsobjekte stellte er fest, daß die selbe Sorte sich je nach Standort sehr unterschiedlich entwickeln kann. Manche Äpfel waren vollständig von Rost überzogen, andere nur zum Teil; auch die Dicke des Rosts variierte bei Äpfeln einer Sorte. Seine Ergebnisse präsentierte er in einer mehrseitigen Vergleichstabelle, in der auch unser Grauer Kurzstiel auftaucht und recht ordentlich abschneidet.

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