AdT: Hohenzollern – und endlich etwas über den Berlepsch (27.12.2018)

Historische Abbildung eines grün-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA

Hohenzollern; ©USDA

Der heutige Apfel des Tages mit dem deutschen Namen Hohenzollern hat mich etwas überrascht: Die Kalenderabbildung stammt aus der Pomological Watercolor Collection des USDA. Es ist dort die einzige Abbildung, Mary Arnold hat sie 1939 in Beltsville im Prince Georges County, Maryland, angefertigt. Leider sind in den üblichen Quellen keine Informationen zu finden. Doch dadurch bietet sich die Möglichkeit, einen Leser zu erfreuen:

In der Wikipedia findet sich in der Sortenliste ein Hohenzollernapfel, von dem aus auf den Berlepsch verwiesen wird. Und wenn ich die Abbildung aus dem USDA mit den Berlepsch-Abbildungen beim BUND Lemgo vergleiche, finde ich das gar nicht so abwegig.

Also hier schnell etwas zum Berlepsch: Er wird auch Freiherr von Berlepsch oder Goldrenette Freiherr von Berlepsch genannt. 1880 hatte der Ingenieur und Obstzüchter Diedrich Uhlhorn junior (1843-1915) die Sorte in Grevenbroich aus der Ananas-Renette und dem Ribston Pippin gezüchtet. Später wurde der Apfel nach dem Düsseldorfer Regierungspräsidenten und Sozialreformer Hans Hermann Freiherr von Berlepsch zu dessen Ehren benannt.

Der leckere Tafelapfel kann monatelang ohne Verlust gelagert werden. Geerntet wird ab Ende September bis Mitte Oktober, die Genussreife reicht von Januar bis Ende März. Der Berlepsch ist im Anbau zwar etwas heikel, weil er ein mildes Klima benötigt – das findet er aber im Rheinland vor, wo er bis heute noch häufig anzutreffen ist. Daneben gehört der Berlepsch zu den Top 10, was den Vitamin-C-Gehalt angeht: er hat 23,5mg/100g.

Die recht dicke Schale der mittelgroßen Äpfel ist schwach fettig und hat eine grünlich-gelbe bis gelbe Grundfarbe, die von einem dunklen Rot, das auch in ein Braunrot übergehen kann, marmoriert überzogen ist. Die zahlreichen hellbraunen Punkte fallen kaum auf. Mit dem Roten Berlepsch gibt es noch eine stärker gefärbte Variante.

Das feste, gelblich-weiße Fruchtfleisch ist saftig, hat einen feinen süßen, weinsäuerlichen Geschmack und eine kräftige Würze.

Die Künstlerin

Mary Daisy Arnold (ca. 1873–1955) gehörte wie Deborah Griscom Passmore und Royal Charles Steadman zu den wichtigen Illustrator*innen beim US Department of Agriculture. Über ihr Leben weiß man nicht viel, da Unterlagen über sie vor 1921 vernichtet wurden.

Und sonst:

Das Wappen der von Berlepsch zeigt auch Halsbandsittiche – von denen es in Köln sehr viele gibt. Nach einer Familienlegende wurde ein Ritter von Berlepsch von Kaiser Barbarossa mit gezähmten Vögeln angetroffen. Der Ritter erklärte, er habe diese Vögel aus dem „Heiligen Land“ mitgebracht, woraufhin er die Vögel im Wappen führen durfte. Sie stehen für Gottesverehrung und christliches Verhalten.

Beim Ort des Kalenderapfels fiel mir der Maryland Jazz ein – praktischerweise wird der auch in Köln gespielt: Die Maryland Jazz Band of Cologne, die seit 2016 New Orleans Jazz Band of Cologne heißt, trat 2007 beim Jazz Ascona u.a. mit dem „Bogalusa Strut“ auf.

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