AdT: Küttiger Dachapfel (09.06.2022)

Historische Abbildung von zwei gelblich-roten Äfeln neben einem Zweig sowie ein aufgeschnittener Apfels; BUND Lemgo

Küttiger Dachapfel; © BUND Lemgo

Nach einer Weile gibt es heute mal wieder eine
Abbildung aus Jakob Gustav Pfau-Schellenbergs (1815-1881) Band 100 alte Apfel- und Birnensorten.

Der Küttiger Dachapfel kam fast ausschließlich in der Gemeinde Küttigen bei Aarau vor, wo er um 1770 als Zufallssämling entdeckt wurde. Er wurde dann gepfropft und trug bald erste Früchte. Weil der Garten aufgegeben wurde, hatte der Züchter den Baum unter das Strohdach des Vaterhauses versetzt – daher der Name „Dachapfel“. Von dort aus wurde die Sorte in der Gemeinde Küttigen verbreitet.

Der Dachapfel ist, was die Anbaugebiete angeht, unproblematisch. Er wächst sogar in 1000 Meter über dem Meer noch vortrefflich. Er bringt gute Ernten und trägt fast jedes Jahr. Er blüht erst Mitte Mai, was ihn vor späten Frösten und ähnlichem bewahren kann.

Die Äpfel haben eine rundliche, oft etwas unregelmäßige Form, sie können in die Höhe oder Breite gehen. Dabei werden sie 60 bis 65 mm breit und 54 bis 60 mm hoch.

Die glatte, geschmeidige Schale ist anfangs grün, wandelt sich später zu einem Gelb; zudem wird sie bei der Lagerung etwas fettig. Allerdings wird 2/3 oder mehr der Schale mit einem roten Duft überzogen, dazu gibt es zahlreiche dunklere Streifen. Deutlich zu sehen sind helle Rostpunkte, die auf der Schattenseite allerdings deutlich schwächer ausgeprägt sind. In der Stielhöhle bildet sich manchmal Rost.

Das gelblichweiße, mürbe Fruchtfleisch kann auf der Sonnenseite eine schwache hellrote Färbung zeigen. Es ist saftig und hat einen weinsäuerlichen, leicht herben Geschmack. Beim Aufschneiden entfaltet sich ein erfrischender Geruch. Die Äpfel, die im Oktober geerntet werden, sind bis Ende Januar sehr gut haltbar, danach verlieren sie an Frische und Geschmack. Sie können als Küchen- und Tafeläpfel verwendet werden.

Wenn ich nach der Sorte suche, finde ich einige aktuelle Fotos, die Sorte scheint also weiter zu existieren.

Ganz interessant fand ich einen 2017 erschienenen Artitkel aus der Aargauer Zeitung: „Hochstammbäume gehen in Küttigen zurück – Gemeinderat will die Bäume schützen“. Es wäre interessant zu erfahren, wie sich das entwickelt hat.

Ah, siehe da, im März 2020 meldet die Zeitung Küttigen – Gemeinde verschenkt Hochstammbäume. Und wurden 2017 noch 1800 Hochstämmer angegeben, wird 2020 von nur noch rund 1300 dieser Bäume geschrieben. Hoffe ich mal, daß die Verschenk-Aktion mehr Erfolg hatte.

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