AdT: McIntosh – ein leckerer Platzhirsch (13.08.2018)

Historische Abbildung eines grünlich-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA

Der McIntosh; ©USDA

Der heutige Apfel des Tages, der McIntosh, auch McIntosh Red oder einfach Mac war laut Creighton Lee Calhouns „Old Southern Apples“ in den letzten sechzig Jahren der wichtigste kommerzielle Apfel, der in New England, im Süden Kanadas und in Teilen von New York angebaut wurde. Er macht etwa 6 Prozent der amerikanischen kommerziellen Apfelproduktion aus. In dem nördlichen Klima, in dem die Äpfel für sechs Monate in normalen Kühlhäusern aufbewahrt werden können, wächst er sehr gut. Im Süden dagegen ist er, außer in Höhenlagen, eine Enttäuschung und wurde dort auch nur von einigen Baumschulen verkauft. In wärmeren Klimazonen ist der McIntosh weicher, farbschwächer und fällt oft vor der Reife vom Baum.

Die Geschichte des Apfels ist mal wieder ein Gang zurück in die Geschichte. John McIntosh (1777-1845/46), war der Sohn schottischer Einwanderer, die während der Amerikanischen Revolution als Loyalisten auf Seiten der Britischen Krone standen. Er wurde in Mohawk Valley geboren. 1796 hatte der 19-jährige Methodist angeblich wegen einer Liebesbeziehung eine Meinungsverschiedenheit mit seinen Eltern und wanderte nach Dundas County in Ontario, Kanada, aus.

Dort tauschte er 1811 seine Farm gegen eine Farm in der Nähe seines Schwagers. Als McIntosh einige Apfelbäume auf dem bewachsenen Land fand, brachte er sie in die Nähe seines Hauses. Um 1820 trug einer von ihnen ausgezeichnete Äpfel, und McIntosh verkaufte Sämlinge dieses Baumes an andere Siedler. Jemand lehrte ihn um 1835, wie man eine Pfropfung macht, und er begann, Bäume, die in der Gegend auch als McIntosh Red bekannt waren, zu verkaufen. John McIntosh bewirtschaftete die Farm bis zu seinem Tod, irgendwann zwischen dem 19. September 1845 und dem 10. Januar 1846.

John McIntoshs Sohn Allan verkaufte nach dem Tod seines Vaters weiterhin Apfelbäume. Es gibt auch die Meinung, daß erst Allan die wirkliche Qualität des Apfels entdeckt habe. Aber wirklich populär wurde der McIntosh in Kanada und in den nördlichen Vereinigten Staaten erst um 1900. Noch im Jahr 1876 wurde er bei der bedeutenden internationalen Ausstellung in Philadelphia nicht in der langen Liste der Sorten von Ontarios Obstbauern aufgeführt.

Im Dictionary of Canadian Biography gibt es einen sehr ausführlichen biographischen Eintrag (engl.) zu John McIntosh, aus dem ich hier ein paar Passagen übernehme.

In einem Artikel, der auf dem Jahrestreffen der Ontario Fruit Growers Association im Jahre 1891 vorgetragen wurde, lobte ein New Yorker den Apfel, der

„ein großer Favorit wurde und auf unseren Märkten als ausgefallener Obststandapfel verkauft wird“

.

Der eigentliche Promoter des McIntosh war William Terrill Macoun (1869-1933), ein Gartenarchitekt, dessen Arbeit auf der Central Experimental Farm in Ottawa die hervorragende Eignung des Apfels für das kanadische Klima und die immer wichtiger werdenden städtischen Märkte bestätigte. Er nannte ihn einen der schönsten und besten Dessert-Äpfel, die angebaut wurden.

Die von der Bundesregierung eingerichteten Obst-Versuchs-Stationen veröffentlichten kurze Listen von wünschenswerten Äpfeln und lange Listen von unerwünschten. Der McIntosh war stets auf dem ersten. Er war groß, süß, optisch attraktiv und brachte regelmäßig Ertrag. Seine einzigen Fehler, die Anfälligkeit für Schorf und leichte Quetschungen konnten durch chemisches Spritzen und ordnungsgemäße Verpackung überwunden werden. Im Jahr 1907 berichtete Macoun, daß

„die Früchte erst in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren bekannt geworden sind. Derzeit können die Baumschulen die Nachfrage nach Bäumen nicht decken.“

Der ursprüngliche Baum wurde 1894 durch einen Brand beschädigt. Die Familie McIntosh pflegte den alten Baum bis 1908, 1910 brach er zusammen. Ein flacher Stein markiert jetzt die Stelle, an der der Stumpf jahrelang geblieben war. Mindestens drei Gedenktafeln, die an den historischen Wert des Ortes erinnern, befinden sich ebenfalls in der Nähe. 1962 errichtete die Ontario Heritage Foundation zudem eine Gedenktafel außerhalb des ehemaligen McIntosh-Gehöfts.

Im Jahr 2001 schließlich enthüllte das Denkmalamt Kanadas eine weitere Gedenktafel in einem nahegelegenen Park und erklärte die Entdeckung und Entwicklung des Apfels zu einem „Ereignis von nationaler historischer Bedeutung“.

Der Apfel, der häufig für Züchtungen verwendet wurde, ist mehr als mittelgroß, gleichmäßig in der Form, rundlich bis etwas abgeplattet. Die dünne, glatte Schale ist in der Grundfarbe weißlich-gelb oder grünlich, dazu tiefrot mit einigen dunkleren Streifen. Das Rot ist verwischt, wenn ein Blatt die Schale abgeschattet hat.

Das weiße, manchmal rot geaderte Fruchtfleisch ist fest und knackig, sehr saftig, aromatisch, spritzig und fein säuerlich. Die Genußreife ist im September.

Und da das arg kurz ist, habe ich noch schnell in Adams Apfelblog nachgeschaut: Für ihn ist es ein toller Apfel, der das ganze Jahr über (mit Qualitätsschwankungen) erhältlich ist:

„McIntoshs hervorragender Geschmack ist herb, mit ausgewogener Süße, mit etwas Säure und einer Mischung aus Beeren und Gewürzen. Es gibt Noten von Melone und Zink, und die Schale ist auf der festen Seite. Dies ist ein immens befriedigender Apfel mit einem komplexen und ansprechenden Geschmack, der angenehm verweilt.“

Die Künstlerin:

Elsie E. Lower (1882-1971) gehörte wie Mary Daisy Arnold, Deborah Griscom Passmore und Royal Charles Steadman zu den Illustrator*innen beim USDA. Die Abbildung stammt aus dem Jahr 1906.

Später zog sie mit ihrem Mann, dem Pomologen Carl Stone Pomeroy, nach Kalifornien, wo sie zur “California Scene Painting“-Bewegung gehörte. Von ihr sind in der USDA Pomological Watercolor Collection 287 Dokumente erhalten.

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© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

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