AdT: Minister von Hammerstein (16.06.2022)

Historische Abbildung eines Zweiges mit Blättern, gelbgrünen Äpfeln und zweier aufgeschnittener Äpfel; BUND Lemgo
Minister von Hammerstein; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist der Minister von Hammerstein, die Abbildung stammt aus der zwischen 1905 bis 1930 erschienenen Loseblattsammlung „Deutschlands Obstsorten“, die immer wieder mit wirklich schönen Illustrationen aufwartet. In Deutschland wurde er auch angebaut, was die zahlreichen Abbildungen in der Obstsortendatenbank des BUND Lemgo belegen.

Die Sorte wurde 1882 von Rudolf Goethe (1843-1911) in Geisenheim aus dem Kern einer Landsberger Renette gezogen. Goethe war dort Direktor der Königlich Preußischen Lehranstalt für Obst- und Weinbau. Die Sorte soll sich ab den 1890er Jahren recht gut unter dem Namen verbreitet haben.

Benannt wurde sie nach Ernst Georg Freiherr von Hammerstein-Loxten (1827-1914), der von 1894 bis 1901 preußischer Landwirtschaftsminister war.

Die mittelgroßen bis großen Äpfel sind, wie auf der Abbildung gut zu erkennen, flach gebaut, 75 bis 85 mm breit und 56 bis 65 mm hoch, zum Kelch hin sind sie stärker abnehmend.

Die grünlichgelbe Schale wird später heller, auf der Schattenseite sind weiße Tupfen zu sehen, auf der Sonnenseite zeigen sich dagegen kleine braune Punkte, die auch bräunlichrot verwaschen sein können.

Das gelblichweiße Fruchtfleisch ist zur Mitte hin heller; es ist locker, mürbe und sehr saftreich mit einem feinem Aroma.

Ab Mitte Oktober kann der Apfel gepflückt werden, im Dezember wird er genussreif und hält bis März, er welkt nicht bei der Lagerung.

Der Baum beginnt sehr früh zu tragen, setzt fast nie aus, wobei die Äpfel sehr dicht sitzen, weshalb das Auspflücken notwendig ist, wenn sie nicht zu klein bleiben sollen. Der Baum verlangt nährstoffreichen Boden, Düngung und warme Lage.

In Nach der Arbeit (PDF) werden als gute Eigenschaften die große und regelmäßige Fruchtbarkeit, der feine Geschmack und für den Eigenbedarf die lange Haltbarkeit genannt.

Allerdings ist der Minister Hammerstein für Mehltau anfällig, in ungünstigen Lagen auch für Schorf.

Auch in dem vor 1930 erschienenen Unsere besten deutschen Obstsorten wird die Sorte für ihren Geschmack sehr gelobt („Herrlich im Frühjahr“), das Aussehen dagegen als nicht ganz ideal genannt.

Aktueller ist dagegen Hans-Joachim Banniers Einschätzung der Sorte, die er als Tafelapfel kategorisiert hat. Für den Geschmack, den er „eigentümlich“ nannte, gibt er nur eine 2-3. Auch er nennt die Anfälligkeit für Krankheiten, für den Anbau im Garten- oder auf Streuobstwiesen sei die Sorte nur eingeschränkt zu empfehlen.

Das mag auch daran liegen, daß die Sorte möglicherweise über die Jahrzehnte an Qualität verloren hat.

Übrigens wurde aus dem Minister von Hammerstein und dem Weißen Winterkalvill der hier kürzlich besprochene Frau Margarete von Stosch gezüchtet.

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