AdT: Muskaten-Reinette (16.06.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Die Muskatrenette; ©BUND Lemgo

Auf den heutigen Apfel des Tages habe ich mich schon länger gefreut, weil sein Name schon so appetitlich klingt: Muskaten- oder Muskat-Reinette. Und er sieht auch schon sehr lecker aus. Die Abbildung stammt aus dem Deutschen Obstcabinet von Christian Eduard Langethal (1806-1878).

Die Sorte gehört zu den roten Reinetten, und Langethal zählt sie zu den Früchten I. Ranges. Die Muskatrenette ist eine sehr alte Sorte, man vermutet den Ursprung in Frankreich oder in den Niederlanden; seit 1750 wurde sie in England angebaut.

Die Form kann durchaus unterschiedlich ausfallen: Es gibt kugelförmige Exemplare wie das abgebildete, andere sind auf der Kelchseite eher breit.

Die feine und geschmeidige Schale hat bis zur Reife eine hellgrüne Grundfarbe, die sich in ein trübes Gelb wandelt. Zwei Drittel des Apfels sind mit Karminstreifen bedeckt, die zur Sonnenseite immer enger, zur Schattenseite weitläufiger stehen und in eine marmorierte Farbe übergehen. Punkte sind selten, doch kommen Rostflecken vor.

Das feine gelbliche Fruchtfleisch ist körnig, saftreich und hat einen süßen, fenchelartigen Muskateller-Geschmack.

Wegen des Geschmacks, der langen Haltbarkeit vom späten November bis ins Frühjahr, der tollen Optik und des schon früh eintretenden Ertrags gehörte der Apfel schon früh zu den geschätztesten Reinetten, die auch im Handel guten Gewinn brachten. Die Beliebtheit zeigt sich auch an den zahlreichen Abbildungen, die in der Obstsortendatenbank des BUND Lemgo zu finden sind.

Während Langethal angibt, der Baum benötige warmen Boden und einen geschützten Platz und eigne sich daher nicht für Streuobstwiesen, schreibt Eduard Lucas (1816-1882) im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF), daß der Apfel gerade in hochgelegenen, auch rauheren Gegenden seinen Geschmack am besten entwickele. An warmen Spalieren würde er dagegen gern mehlig. Ähnliches findet sich bei der Arche Noah, die sich für den Erhalt und die Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt einsetzen. Dort wurde 2013 der Apfel beschrieben.

Die Muskat-Reinette ist als Tafel- und Mostobst ideal.

Und sonst:

Eigentlich wollte ich so ein paar muntere Worte über die Muskatnuß verlieren. Allerdings verging mir die Lust als ich im Wikipedia-Artikel etwas über die „europäische Geschichte“ der Nuß las:

Im Jahre 1621 kam der niederländische Generalgouverneur Jan Pieterszoon Coen mit 2000 Mann auf den Banda-Inseln an und begann sofort mit der Exstirpation (= Ausrottung) der einheimischen Bevölkerung, d. h. der größte Teil der Inselbevölkerung wurde umgebracht, schätzungsweise 15.000 Menschen, und durch Sklavenarbeiter aus anderen Gebieten ersetzt. Mit diesem brutalen Vorgehen sicherten sich die Niederländer den Muskatnuss-Monopolhandel für die nächsten 150 Jahre.

Dafür kann die Muskatnuß natürlich nichts. Immerhin wird in der niederländischen Geschichtschreibung und in der Öffentlichkeit auch Coens Grausamkeit diskutiert. Aber munter war mir auch danach nicht mehr zumute.

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