AdT: „Nächster Halt: Oldenburg in Oldenburg“ (04.03.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen Apfels am Zeig mit Blättern; USDA

Der Oldenburg, 1919 von R.C. Steadman in Van Buren County, Michigan, illustriert; ©USDA

Den heutigen Apfel des Tages würde ich als echten Hingucker bezeichnen. Und er ist wieder einer mit vielen Namen: In Deutschland findet man ihn am ehesten als Charlamowsky, aber auch als Augustapfel, (Borovinka, Borowinka – s. Kommentare), Borowitzky, Charlamoff, Ernteapfel, Herzogin Von Oldenburg.

In den USA heißt er dagegen meist Duchess Of Oldenburg oder nur Oldenburg, Borowitsky, Brunswick, New Brunswick, Charlamowsky, Early Joe and Queen Mary. Allerdings wird auch der Geheimrat Dr. Oldenburg nur Oldenburg genannt – man kann die Sorten voneinander unterscheiden, „unser“ Oldenburg hat eine gestreiftere Haut als der Geheimrat.

Der Apfel stammt aus Persien oder Südrußland und war bereits im 19. Jahrhundert in Europa und in den USA weit verbreitet. Der Baum trägt schon früh und reichlich, wird allerdings nicht so alt. Da er nicht sonderlich hoch wächst, kann er auch gut in Hausgärten gepflanzt werden.

Die Schale ist glatt und fein, zunächst grünlich-gelb, später goldgelb, auf der Sonnenseite rot gestreift und geflammt.
Adrian Diel beschrieb ihn begeistert:

„Das Fleisch ist weiß, fein, locker, markicht, sehr saftvoll, und von einem ungemein angenehmen, feinen, weinsäuerlich süßen Himmbeerengeschmack.“

In anderen Beschreibungen geht er als Tafelapfel durch, wegen der starken Säure wird er allerdings eher als Küchenapfel eingestuft. Er ist im August reif, hält sich aber nur kurz bis in den September.

Der Künstler

Der 1875 geborene Royal Charles Steadman gehörte wie Ellen Isham Schutt (1873–1955), Mary Daisy Arnold (ca. 1873–1955) und Deborah Griscom Passmore (1840–1911) zu den Illustrator*innen beim USDA und arbeitete dort seit 1915 als „pomological artist“. Er ist mit 892 Dokumenten in der pomologischen Aquarellsammlung verzeichnet.

Und sonst:

„… haben Sie Anschluß nach Oldenburg in Oldenburg“ – die Zugansage habe ich oft gehört. Doch obwohl nur 50 Kilometer von meiner Heimatstadt Bremen entfernt, war ich noch nie in Oldenburg. Ob ich etwas verpaßt habe? Immerhin gibt es dort ein Horst-Janssen-Museum.

Die Deutsche Welle hat einen ägyptischen Studenten mal Oldenburg vorstellen lassen.

Und wer es am Sonntag etwas ruhiger mag („ich, ich ich!!!“): einfach mal 14 Minuten Oldenburg Stadtdurchfahrt von Oldenburg Süd nach Nord genießen.

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© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

7 Antworten auf „AdT: „Nächster Halt: Oldenburg in Oldenburg“ (04.03.2018)“

  1. Hinsichtlich der Gleichsetzung mit „Borowinka“ bin ich etwas skeptisch, denn hier wird der Borowinka etwas anders beschrieben:
    Borowinka
    Aber mit den Apfelnamen ist das so eine Sache …

    1. Vielen Dank für den Hinweis. Ja, die unterschiedlichen Beschreibungen sind mir schon ein paar Mal aufgefallen. Selbst beim selben Namen hatte ich manchmal den Eindruck, die Pomologen beschrieben völlig unterschiedliche Sorten.

      Der Borowinka würde bei Rolff ja schon wegen der viel späteren Reifezeit rausfallen.

      In einem Permafrost-Forum habe ich den Kommentar gefunden:

      Borowinka Apple (Malus pumila var. Borowinka): My understanding is that these are the seeds from Duchess of Oldenberg, and are relatively true to parent. They are also often used as cold hardy rootstock. I have no idea how well they’ll do in Alaska.

      Danach wäre es ein Abkömmling des Duchess = Charlamowsky.

      In Kuphaldts Band „Der rationelle Obstbau in den nordwestlichen provinzen des russischen Reiches“ findet sich die Notiz, daß der gestreifte Calvill von Wagner-Riga auch als „Borowinka“ angeboten wird. Das ist alles nicht so einfach, und ich nehme „Borowinka“ mal aus der Auflistung.

      1. Da ich vor 2 Jahren einen Borowinka gepflanzt habe, werde ich das mit der Beschreibung und Reifezeit mal testen, wenn er denn trägt.

        1. Hallo, wie sieht es denn dieses Jahr mit der Ernte aus? So insgesamt und überhaupt? Allgemein wird ja ein gutes Jahr prognostiziert, auch wenn die lange Hitzeperiode wohl nicht ganz ideal war. Aber interessant finde ich ja immer wieder die regionalen Unterschiede.

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