AdT: Oberdieck’s Zuckerreinette – ein weiterer verwirrender Apfel (29.09.2018)

Historische Abbildung zweier grüner und eines aufgeschnittenen Apfels;  BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Oberdiecks Zuckerreinette; ©BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages, dessen Abbildung aus dem aus dem Deutschen Obstcabinet von Christian Eduard Langethal (1806-1878) stammt, ist ein vielnamiger:

Bay D’Or, Drap D’Or, Drap D’Or De Bretagne, Goldgestickter Apfel, Goldstückapfel, Milchapfel, Oberdiecks Große Gelbe Zuckerrenette, Pomme D’Or, Vrai Drap D´Or.

Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) und Eduard Lucas (1816-1882) erwähnen weitere, die durch die zunehmende Beliebtheit im deutschen Sprachraum entstanden seien: Reinette Joseph II, Donauers Reinetten Rambour, Ananasapfel oder Berlinger. Warum sich der Verlag für den auf der Abbildung in Klammern gesetzten Namen Oberdieck’s Zuckerreinette entschieden hat, kann ich nicht sagen. Unter „Goldzeugapfel“ finden sich beim BUND Lemgo zahlreiche schöne Abbildungen.

Langethal führt ihn selbst als Goldzeugapfel auf, der Lithograph hat daraus den Goldzeuchapfel gemacht. Er gruppiert ihn zu den einfarbigen Renetten und stuft ihn als Frucht I. Ranges ein.

Der große und kugelförmige Apfel hat eine sehr glatte und glänzende Schale, die hellgelb ist. Zudem zeigen sich grünlich marmorierte Flächen und hellgrüne, bandartig verlaufende Strahlen. Auf der Sonnenseite hat das Gelb ein schönes Gold, von dem sich der Name ableiten könnte; ein Rot findet man dort nur sehr selten. Feine und stärkere Punkte sowie schwarzbraune Rostflecken sind dagegen zu sehen.

Das unter der Schale sehr gelbe Fruchtfleisch wird nach innen weißer. Es ist locker, markig und sehr saftig, der Geschmack hat einen sehr angenehmen zuckerartigen, süßweinsäuerlichen Geschmack und einen sehr angenehmen Geruch.

Die Genußreife geht von November bis Februar, danach verliert der Apfel an Geschmack.

Franz Jahn (1806-1867) hat zu dem Artikel noch eine Anmerkung setzen lassen, die die Übereinstimmung vom Drap d’Or und der Oberdieck’schen Zuckerrenette bezweifelt – Langethals Abbildung würde ja auch eher eine grüne als eine goldgelbe Frucht zeigen. Zudem würde mit der Eigenständigkeit der Oberdieck’schen Frucht dem bedeutenden Pomologen Oberdieck die verdiente Ehre erwiesen.

In Oberdiecks und Lucas’ „Illustriertem Handbuch der Obstkunde“ (PDF) finden sich noch ein paar weitere Informationen zu der ‚alten und schätzbaren Sorte‘. Der französische Jurist, Chemiker, Ingenieur und Botaniker Henri Louis Duhamel du Monceau (1700-1782), der als Begründer der Forstbotanik gilt, soll ihn 1768 in seinem Traité des Arbres Fruitiers zuerst beschrieben haben, daher der Name Vrai Drap d’Or.
In Deutschland war der Apfel um 1875 weit verbreitet, aber wohl unter falschem oder gar keinem Namen angebaut. Der einflußreiche Pomologe Adrian Diel (1756-1839) habe ihn zudem „mit der wenig passenden Bemerkung abgefertigt: ‚grenzt an Süßäpfel‘“.

Und sehr erfreulich: Die Sorte scheint auch heute noch angebaut zu werden.

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