AdT: Pomme De Bohémien – Kaurismäki läßt grüßen (18.05.2018)

Historische Abbildung eines sehr dunklen Apfels; BUND Lemgo

Der Schwarze Borsdorfer? ©BUND Lemgo

Nach dem Gestreiften Böhmischen, dem Zwiebel- und dem Deutschen Edelborsdorfer haben wir beim heutigen Apfel des Tages auch wieder einen aus der Familie: Den Pomme de Bohémien führt Rudolf Stoll (1847-1913) in seiner „Österreichisch-Ungarischen Pomologie“ als Schwarzen Borsdorfer.

Allerdings wird der Schwarze Borsdorfer bei einigen Pomologen auch als Brauner Matapfel geführt – diesen wiederum beschreibt Stoll eigenständig. Und darum, und weil die Kalenderabbildung aus seinem Buch stammt, halte ich mich heute mal nur an Stoll.

Am auffallendsten ist natürlich die dunkle Farbe, die ich beim ersten Blick einer schlechten Vorlage anlasten wollte. Stoll nennt einige andere Namen für solche dunklen Äpfel: Zigeuneräpfel, Kastanienäpfel, Mohrenäpfel oder Kohläpfel – historische Bezeichnungen, ich würde mich für die Kastanien entscheiden. Die Genußqualität schätzt Stoll nur als eine zweiten Ranges ein, als Markt- und Zierobst wäre der Apfel aber zu gebrauchen.

Er führt dann die Verwirrung weiter: Der Pomologe Friedrich Jakob Dochnahl (1820-1904) hatte den Schwarzen Borsdorfer mit dem Schwarzen Api, dem Braunen Matapfel, dem Violettapfel, Adrian Diel (1756-1839) damit zudem die Schwarzschillernde Violette verbunden. Doch diese Sorten seien von Stolls Apfel deutlich unterschieden. Er verweist auf Pierre Antoine Poiteau (1766-1854), in dessen „Pomologie française“ drei schwarze Äpfel verzeichnet waren, die aber auch keine Ähnlichkeit mit Stolls Sorte hätten.

Stoll hält seine Sorte nicht für besonders wertvoll hält, um ein Augenmerk auf Äpfel mit dieser doch ungewöhnlichen Farbe zu richten.

Die glatte, feine Schale glänzt sehr stark, beim Pflücken hat sie nur einen schwachen Duft. In der Grundfarbe ist sie grüngelb, allerdings wird dies vollständig von einer karminroten bis violettschwarzen Färbung überzogen. Bei Äpfeln, die eher im Schatten gewachsen sind, könne man lange breite und etwas geflammte Streifen sehen.

Das schwach grünlichweiße Fruchtfleisch ist bei vollständiger Reife fast weich, saftig und hat einen süßlichen, gewürzten Geschmack, der eine eigenartige Note habe.

Ab November ist er genußreif und hält bis ins Frühjahr, ohne zu welken.

Ich wäre jetzt doch mal interessiert, was die Herren Kollegen zu seiner Einordnung sagten oder schrieben.

Und sonst:

Natürlich muß hier einer der großartigen Kaurismäki-Filme genannt werden: Das Leben der Bohéme

3 Antworten auf „AdT: Pomme De Bohémien – Kaurismäki läßt grüßen (18.05.2018)“

  1. Lieber Michael,
    Nachdem der Apfelkalender 2018 zu meiner bereichernden Frühstückslektüre geworden ist ( inklusive der Kommentare und Nebengedanken), möchte ich Sie fragen, ob Sie eine Idee habe, wo ich noch einen Apfelkalender 2017 beziehen könnte. Viele Grüße
    Frank Schwemmer

    1. Oh, da müßte wohl schon ein Exemplar hinter das Regal gerutscht sein. Beim Verlag sind die Kalender ja ausverkauft, und Menschen, die ihn bekommen haben, werden ihn wohl auch benutzt haben. Da hilft dann wohl nur die Vorbestellung des Kalenders für 2019, der schon in Produktion sein soll.

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