AdT: Pomme de Livre – und doch auch nicht (29.08.2018)

Historische Abbildung eines grünlich-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Ein Pomme de Livre, auch „Hausmütterchen“; ©BUND Lemgo

Beim heutigen Apfel des Tages wollte ich es mir mal leicht machen und einfach darauf verweisen, daß es sich beim Pomme de Livre keineswegs um einen Buch-Apfel, sondern um einen Pfund-Apfel handelt. Der in Frankreich wiederum auch als Belle Fille de Normandie bekannt ist.

Die Abbildung stammt aus den Pomologischen Monatsheften, die 1855 von den Pomologen Eduard Lucas (1816-1882) und Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) als „Monatsschrift für Pomologie und praktischen Obstbau“ (1855-1865) gegründet wurden. Sie hieß später „Illustrierte Monatshefte für Obst- und Weinbau“ (1865-1874), eben „Pomologische Monatshefte“ (1875-1905) und „Deutsche Obstbauzeitung“ (1906-1922). Sehr schöne Obst-Abbildungen sind beim BUND Lemgo zu finden.

Und dann habe ich, nachdem ich dort vergeblich nach dem Pomme gesucht hatte, die Abbildungen verglichen. Und das „Hausmütterchen“ gefunden. Zu dem es dann doch ausführlichere Beschreibungen und weitere Abbildungen gibt.

Oberdieck beschreibt die Sorte auch im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF). Der große, recht schöne Apfel ist ein hervorragender Wirtschaftsapfel, als Tafelapfel fehlt es ihm etwas am Geschmack. Die Sorte wurde in Linden (Hannover) gefunden und dort Großer Pfund-Rambour-Wildling genannt. Allerdings hatte man zuvor schon Äpfel in Lemberg gekannt, die diesem sehr ähnelten und die dort La Mère domestique hieß, was zur Benennung der heutigen Sorte als „Hausmütterchen“ führte. Zudem gibt es Ähnlichkeiten mit dem französischen und dem US-amerikanischen Gloria Mundi.

Die glatte und feine Schale glänzt etwas, ist gelblich-grün, was sich beim Reifen zu einem (leicht fettigen) weiß wandelt. Auf der Sonnenseite kann es kleine matte, flammenartige rote Stellen geben, oft ist das Rot aber auch nur in Spritzern vorhanden. Bei stark besonnten Äpfeln kann es auch zum kräftigeren Rosenrot gehen. Punkte können zahlreich oder auch nur versprengt auftreten, zum Teil auch nur als weißliche Tupfen. Die Schale hat allerdings einen ausgeprägten Duft.

Das weiße Fruchtfleisch kann eine grüne Ader aufweisen, ist saftig, feinzellig und mürbe. Es hat einen süßlichen, in Weinrichtung gehenden, schwach gewürzten Geschmack.

Der Baum wächst kräftig und bringt guten Ertrag, die Genußreife geht von Oktober bis Dezember.

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