AdT: Rother Apollo – wir haben kein Problem (20.07.2018)

Historische Abbildung eines roten Apfels;  BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Rother Apollo; ©BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages, der Rote Apollo, hat schon mal einen tollen Namen. Die Abbildung stammt aus Johann Lexa von Aehrenthals (1777-1845) 1. Band seiner „Deutschen Kernobstsorten“ (PDF, S. 139f, erschienen 1833). Mit seinem extremen Kelch sieht der Apfel auf jeden Fall interessant aus.

Lexa beschreibt zunächst die kugelförmige Form, wobei die plattrunde Wölbung um den Stiel herum auffällt. Auf der Kelchseite nimmt er noch stärker ab und hat ein „flach zugestumpftes Ansehen“ (eine interessante Formulierung), wodurch die beiden Wölbungen stark verschieden sind.

Über den Apfel laufen vom Kelch aus mehrere feine Rippen, die den Gesamteindruck eines runden Apfels aber nicht sonderlich beeinträchtigen.

Die sehr zarte, zur Pflückreife etwas geschmeidige Schale hat als Grundfarbe ein blasses Hellgrün, welches beim Reifen zu einem blassen Hellgelb wird. Gänzlich freihängende Äpfel sind allerdings auf der Sonnenseite völlig überdeckt von einem schönen hellen Blutrot, das durch Polieren stark glänzt. Auf der Schattenseite wird es bleicher, wodurch die Grundfarbe durchscheint. Bei beschatteten Früchten bleibt allerdings die ursprüngliche Grundfarbe sichtbar. Im starken Rot kann die Grundfarbe auch als ein rötlich-gelber Streifen durchscheinen. Es gibt sehr feine, weitläufig verteilte Punkte, die gelblich, auf der Schattenseite dagegen oft rötlich sind. Die Frucht hat nur einen sehr schwachen Geruch.

Das weiße Fruchtfleisch kann um Kelchröhre und Kernhaus etwas rosenrot sein. Es riecht angenehm, ist brüchig, weich und locker, markig und sehr saftig. Der Saft hat einen angenehmen, süßweinsäuerlichen und etwas rosenartigen Geschmack. Schön ist Lexas Formulierung: „Im Kauen verschwindet das Fleisch im Mund“, die im ersten Moment trivial klingt.

Genußreif ist der Rote Apollo im Dezember, er scheint bis in den Februar lagerfähig zu sein. Lexa nennt ihn „noch vom ersten Rang“.

Seine Anmerkung zum Baum, der sehr lebhaft wächst, groß wird und recht fruchtbar ist, könnte ihn für die Streuobstwiese oder den Garten in Betracht kommen lassen.

Und sonst:

Den Apoll aus der Mythologie kannte ich, dieses Weltraum-Ding sowieso. Aber daß es im Neuen Testament einen Apollos gibt, war mir neu. Obst macht eben schlau.

4 Antworten auf „AdT: Rother Apollo – wir haben kein Problem (20.07.2018)“

  1. Hallo, lieber Michael,
    Es gibt in manchen Baumschulen noch einen Apfel namens „Apollo“, bei dem es sich allerdings um einen rotgeflammten Frühapfel zu handeln scheint. (vielleicht eher eine „moderne“ Sorte?) Vielen Dank für die Hinweise auf die Nabu Vortragsveröffentlichungen.
    Viele Grüße
    Frank

    1. Hallo, Frank, vielen Dank für den Hinweis. Der Apollo ist eine in der DDR gezüchtete Sorte. Ich hatte ihn gestern gesehen und ganz kurz überlegt, das „Kapitel“ noch anzugehen, allerdings war ich dann so müde … Werde ich aber demnächt nachholen, jetzt im Urlaub habe ich vielleicht mehr Zeit 🙂

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