AdT: Rother Sommerkalwill aus der Normandie (27.07.2018)

Historische Abbildung dreier rot-gelblicher Äpfel; BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Der Rothe Sommerkalwill aus der Normandie (oben); ©BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages, der Rothe Sommerkalwill aus der Normandie, findet sich in
Johann Prokop Mayers (1737-1804) 3. Band der 1801 erschienenen Pomona Franconica.

Allerdings muß erst mal die Beschreibung des Rothen Sommerkalwills (auf der Abbildung u.r.) gelesen werden, denn Mayer hielt beide Sorten lange für identisch.

Den Roten Sommerkalvill zählt Mayer zu den sogenannten Strichäpfeln, die eine kurze Haltbarkeit haben, und wegen der ausgeprägten Rippen zu den Kalvillen. Der Apfel ist wegen der frühen Reife, der schönen Form und Farbe beliebt, allerdings überzeugt er geschmacklich nicht unbedingt. Die Äpfel sind von mittlerer Größe und zeigen fünf stark und fünf schwach ausgeprägte Rippen.

Die Schale ist oft vollständig rot, auch auf der Schattenseite. An manchen Stellen schimmert aber die gelbe Grundfarbe durch.

Das feste Fruchtfleisch zeigt eine teilweise Rötung. Es ist nicht besonders saftig, der Saft schmeckt nur etwas süßlich. Allerdings hat der Apfel einen leichten Himbeerduft, wodurch er bei Mayer gewinnt. Im August reif, hält er nur zwei Wochen und wird meist zu Kompott verarbeitet.

Und jetzt zum heutigen Apfel des Tages.

Lange hatte Mayer den von französischen Baumschulen angebotenen Roten Sommerkalvill aus der Normandie für eine identische Sorte gehalten. Doch irgendwann hatte er einen Baum erhalten, der sich deutlich unterscheidet. Er ist ansehnlicher, die Triebe sind dünner, die Blätter kleiner und kürzer, und die Blüten sind röter als der „normale“ Rote Sommerkalvill. Die Früchte sind größer, die Rippen ausgeprägter. Schale und Fruchtfleisch zeigen ein deutlich kräftigeres Rot. Das Fruchtfleisch ist nicht so fest, aber feiner und etwas körnig. Es hat einen angenehm süßen Saft mit einem Geschmack von Erdbeer- oder Himbeerwein.

Der Apfel aus der Normandie reift acht oder zehn Tage später, hält sich auch nur zwei Wochen, ist dafür aber von höherer Güte.

Und sonst:

Wer sich für die „die Autobahn der Apfelbäume“, die Rehabilitation und Verbreitung des normannischen Apfels interessiert (und des Französischen bzw. des Google Translaters mächtig ist), sei auf den enthusiastischen Beitrag „Pomme de Normandie“ im Magazin „Patrimoine normande“ verwiesen.

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