AdT: Rümlicher Chrüslicher – Apfel mit Gedicht! (10.11.2018)

Historische Abbildung zweier gelblich-rötlicher Äpfel am Zweig und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Rümlicher Chrüslicher; ©BUND Lemgo

Beim heutigen Apfel des Tages, dem Rümlicher Chrüslicher, überrascht es nicht, daß er in Jakob Gustav Pfau-Schellenbergs (1815-1881) „100 alte Apfel- und Birnensorten“ zu finden ist. Der Name wurde später zu „Hebels Apfel“, um damit den alemannischen Dichter Johann Peter Hebel (1760-1826) zu ehren, der die Sorte sehr schätzte. Er hatte dem Rümmechrüsliger, wie der Apfel meist genannt wird, im Gedicht „Die Mutter am Christabend“ eine Strophe gewidmet. Daneben ist noch der Name „Edelchrüsler“ verbreitet, wobei „Chrüsler“ auf das Krauswerden der Blätter im Herbst anspielt. Die Umbenennung in Hebels Apfel gefällt Pfau-Schellenberg allerdings nicht.

Die Sorte war im 19. Jahrhundert im Kanton Baselland wie auch im Bezirk Rheinfelden, im badischen Wiesenthal und im Elsaß verbreitet. Pfau-Schellenberg leitet das „Rümlicher“ vom Ursprungsort ab, wobei er zwei mögliche Orte nennt: den kleinen Ort Rümlingen bei Sissach im Kanton Baselland, oder das badische, bei Lörrach gelegene Rommingen, das im Volksmund „Rimmigen“ genannt wird.

Die Sorte hat kleine Früchte, die kugelförmig aussehen, aber immer etwas breiter als hoch sind.

Die Schale hat eine grünliche Grundfarbe, die beim Reifen zu einem schönen Gelb wird, in dem wenige kleine Rostpunkte kaum auffallen. Die Schattenseite ist nur stellenweise rot gestreift und gesprenkelt, während bei besonnten Früchten die ganze Fläche rot bedeckt ist, vielfach verstärkt durch dunkelrote Streifen. Dazu kann auch das hervorleuchtende Gelb der Grundfarbe durchscheinen und dem Apfel eine schönes Aussehen geben.

Das feinkörnige und saftige Fruchtfleisch ist weiß-gelblich, unter der Schale kann es auch rötlich sein. Der Apfel hat einen angenehmem, erfrischenden, säuerlich-würzigen Geschmack. Pfau-Schellenberg nennt den Apfel einen Wirtschaftsapfel ersten Ranges, der auch in der Küche sehr beliebt sei, zumal er sehr lang ohne Verlust gelagert werden kann. Im Dezember wird er genießbar und überdauert im Keller den Winter, ohne zu welken.

Der Baum bringt sehr guten Ertrag, wegen der späten Blüte ist er auch gegen Witterungswechsel nicht sehr empfindlich. Die Sorte ist auch heute in der Schweiz noch sehr verbreitet, wie dem Artikel „Edelchrüsler – fein, würzig und rotbackig“ bei ProSpecieRara zu entnehmen ist. Darüber hinaus wurde zu Ehren der Obstsorte in der Region Basel ein Verein namens „Edelchrüsler“ gegründet. Er setzt sich für die Erhaltung der heimischen Obstsorten auf Hochstämmen ein.

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