AdT: Schlesischer Lehmapfel (03.02.2022)

Historische Abbildung zweier gelblich-roter und eines aufgeschnittenen Apfels sowie eines Blattes; BUND Lemgo
Schlesischer Lehmapfel; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist der Schlesische Lehmapfel – der Name dieses doch lecker aussehenden Apfels ist in meinen Ohren nicht unbedingt ein Marketing-Knüller. Die Abbildung stammt aus dem Band Unsere besten Deutschen Obstsorten, unverkennbar gehört er zu den Plattäpfeln. Die Herkunft ist nicht bekannt, auch die Eltern sind unbekannt.

Die Sorte war in den feuchten Lagen der Niederschlesischen Ebene und im Seengebiet Niederschlesiens stark verbreitet, aber auch andernorts zu finden. Sie soll bereits vom schlesischen Erfinder, „Apfelchampagner“- und Sektfabrikanten Carl Samuel Häusler (1787 – 1853) erwähnt worden sein.

Die Äpfel sind nur mittelgroß, mit 6 bis 7 cm Breite und 4 bis 5 cm Höhe gelten sie schon als gut entwickelt. Etwas stielbauchig, sind sie am Kelch sehr scharf abgeplattet, um den Stiel herum etwas mehr abgerundet und oft etwas einseitig entwickelt. Der Querdurchschnitt ist rund, kann auch leicht verschoben sein.

Der mittellange Stiel ist kräftig und ragt über die enge Stielhöhle hinaus, die Stielhöhle zeigt wenig oder gar keinem Rost.

Die dünne Schale ist während der Baumreife grün und wandelt sich bei Genussreife zu einem Zitronengelb, das aber etwas trübe ist. Auf der Sonnenseite ist die Schale meist gelbrot bis blaurot angelaufen und leicht fettig. Besonnte Früchte zeigen auch eine schöne, verwaschene, nicht gestreifte, rote Backe. Es gibt nur wenige, nicht auffallende Schalenpunkte, dagegen sind kräftige, zimtfarbige Rostpunkte und feine Roststreifen in der Kelchgegend zu sehen.

Das saftige Fruchtfleisch ist feinkörnig, bei der Ernte noch fest, wird mit der Genussreife mittelfest und hat eine feine, leicht an Trauben erinnernde Säure.

Geerntet wird der Schlesische Lehmapfel im September, genußreif ist er von Januar bis März; bei guter Lagerung hält die Frucht auch länger, ohne zu welken. Geeignet ist er als Tafelapfel, der durch Saftfülle mit durchaus gutem Geschmack viele Käuferinnen fand. Der Apfel war eine Hauptsorte des Schlesischen Obsthandels.

Der Baum wächst kräftig, wird sehr groß und alt. In der Baumschule gibt er keine schönen Stämme, weshalb die Baumschulenbesitzer die Sorte früher wohl nicht gerne heranzogen. Seitenholz und Krone vertragen keinen strengen Schnitt. Die Bäume wollen frei wachsen, bilden dann kugelige Kronen mit etwas sperrig stehenden, oft im scharfen Knick wachsender Hauptästen. Die Sorte gibt daher keinen guten Straßenbaum, eignet sich wenig zu Büschen und gar nicht zu strengen Formbäumen.

Austrieb und Blüte sind mittelfrüh. Die Blätter sind ziemlich lang, schmal und derbe, die Sommertriebe zunächst flaumig, später braun-grün.

Der Baum will frischen, nährkräftigen Boden und liebt feuchte Luft. Und was bei dem Namen ja schon klar war: Am besten gedeiht er in der Nähe von Wasserläufen, Teichen, Seen und auf lehmigem Boden. In seinen Ansprüchen erinnert er an den Gravensteiner. Leider teilt er mit dieser Sorte auch die Eigenschaften, erst spät fruchtbar zu werden und unter ihm nicht zusagenden Verhältnissen einfach zu versagen. Ältere Bäume des Lehmapfels tragen in zusagenden Verhältnissen gut und geben oft sehr reiche Ernten.

Und erfreulicherweise wird diese alte Sorte auch heute noch in Baumschulen angeboten.

Und sonst:

Das ganze Buch „Unsere besten Deutschen Obstsorten“ kann bei Harz-Saale.de angesehen werden, die V. Auflage aus dem Jahr 1923 ist in Familienbesitz. Die schönen Abbildungen lohnen einen Besuch. Der Verlag Rud. Bechtold & Comp., Wiesbaden, der sich auf Obst-Literatur spezialisiert hatte, kam damals dem Wunsch von „Obstzüchtern, Schulen und Lehrern“ nach, ein Werk zu haben, in dem die sich die den Anbau lohnenden Apfelsorten mit Beschreibungen und Abbildungen finden. Damit ähnelt das Buch den hier oft herangezogenen Apples of New York.

Der oben erwähnte Carl Samuel Häusler war mit zwei Compagnons ein erfolgreicher Sektproduzent, der den Grünberger Sekt über Schlesien hinaus bekannt machte. In den 1920er Jahren soll es in Berlin eine angesagte Marke gewesen sein. Ich empfehle dazu die informative Webseite von Wolfgang Scheuren. Und passend dazu geht es mit einem Walzer-Lied von Robert Stolz (dessen Kurz-Biographie mich sehr überrascht hat) in den Tag: „Oft genügt ein Gläschen Sekt„, gesungen von Anneliese Rothenberger, begleitet am Klavier von Robert Stolz.

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