AdT: Sommer-Veilchenapfel – einfach dufte (04.06.2018)

Historische Abbildung von drei gelblich-rötlichen und einem aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo

Sommer-Veilchenapfel; ©BUND Lemgo

Die Abbildung des heutigen Apfel des Tages stammt aus dem Deutschen Obstcabinet von Christian Eduard Langethal (1806-1878).

Der mittelgroße Sommer-Veilchenapfel ist eine alte Rosenapfel-Sorte, die auch unter den Namen Sommer-Rothen- oder Sommer-Rosenapfel bekannt ist. Allerdings kann sie auch mit einer anderen Sorte verwechselt werden, die ebenfalls als Sommer-Rosenapfel firmiert.

Die Äpfel wachsen am selben Baum sowohl plattrund wie auch länglich. An der Kelchsenke zeigen sich flache Rippen, die meist aber kaum bemerkbar sind.

Die Schale hat ein leichtes, ins Grüne spielendes Gelb, das fast über den gesamten Apfel von einem dunklen Karmin bedeckt wird – nur die Schattenseite bleibt davon frei. Bei weniger besonnten Früchten kann das Rot auch in ein getuschtes oder marmoriertes helles Rot gehen. Dazu gibt es sehr feine Punkte.

Sehr spannend finde ich, daß sich durch die Äpfel am Baum vor der Ernte ein feiner veilchenartiger Duft verbreitet. Dieser verflüchtigt sich leider durch die Ernte.

Das weiße, feine Fruchtfleisch duftet stark, hat einen süßsäuerlichen, blumigen und angenehmen Geschmack.

Als Sommerfrucht ist diese Sorte wegen der sehr schönen Farbe und dem sehr angenehmen Duft sehr beliebt. Sie gehört zu den frühen Äpfeln, sie reift Mitte oder Ende August. Außerdem reifen die Früchte nicht gleichzeitig am Baum, es können sogar bis in den Oktober hinein Äpfel geerntet werden. Das fängt den Nachteil der kurzen Haltbarkeit auf. Der Apfel kann vom Baum gegessen werden, eignet sich aber auch als Wirtschaftspfel.

Und sonst:

Heute habe ich den Begriff „Scherbenobst“ kennengelernt – für diese Art sei auch der Sommer-Veilchenapfel geeignet. Unter Scherben bezeichnet man in der „Keramiker-Fachsprache das für die Herstellung keramischer Erzeugnisse gebrannte Gemisch verschiedener Mineralien und Beimischungen“ (Wikipedia).

In der Gärtnerei bzw. Landwirtschaft sind mit Scherbenobst eigens in (Keramik- oder Ton-) Töpfen oder Kästen gezüchtete Bäume gemeint, wie wir es auch bei den Bonsai kennen. Ursprünglich waren dies Zitrusfrüchte, die so zum Überwintern in die Orangerie gebracht werden konnten. Später wurden auch andere Obstsorten so angebaut, wobei darauft geachtet wurde, daß die Bäume nicht zu groß wurden. Die Töpfe konnten dann auch zur Belustigung einer Tafelgesellschaft auf die Tische gestellt werden, wo sich die Gäste die Früchte zum Dessert selbst pflückten.

Der bedeutende Pomologe Adrian Diel (1756-1839) veröffentlichte 1796 dazu eigens den Band „Über die Anlegung einer Obstorangerie in Scherben und die Vegetation der Gewächse“. Darin änderte er den Zweck dieser Anbauart von der Unterhaltung zum heute noch üblichen Gefäßversuch. Nur so könne man durch gesicherte Beobachtungen Kenntnisse über die verschiedenen Sorten erlangen.

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