AdT: The Queen (18.05.2022)

Historische Abbildung eines gelblichen Apfels mit roten Streifen; Gartenbau-Bibliothek e.V.

The Queen; © Deutsche Gartenbaubibliothek e.V.

Der heutige Apfel des Tages ist The Queen, die sehr schöne Abbildung stammt aus dem 1892 erschienenen Band 38 der Pomologischen Monatshefte (S. 101). Diese wurden 1855 von den Pomologen Eduard Lucas (1816-1882) und Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) als „Monatsschrift für Pomologie und praktischen Obstbau“ (1855-1865) gegründet. Sie hießen später „Illustrierte Monatshefte für Obst- und Weinbau“ (1865-1874), eben „Pomologische Monatshefte“ (1875-1905) und „Deutsche Obstbauzeitung“ (1906-1922).

Zum Apfel gibt es auch eine ausführliche Beschreibung, die der in Baden-Baden lebende Großherzogliche Hofgärtner G. H. Fießer geschrieben hatte.

Der Apfel, der 1858 in Essex gezüchtet und dort 1880 auf den Markt kam, war für Fießer eine neue Sorte, die er gerade mal ein Jahr besaß. Interessanterweise beginnt er seinen Text mit einem kleinen Seufzer: Die deutschen Pomologen hätten leider kaum eigene, „wirklich wertvolle Obstneuheiten“, mit denen sie auf den Weltmarkt kämen. Während die Amerikaner die schönsten Pfirsichsorten hätten und die Franzosen gute Birnsorten lieferten, wäre England das Land der Äpfel.

The Queen, die Fießer auch die „Königin“ nennt, sei für ihn eine der hervorragendsten Züchtungen der vergangenen Jahre. Diese Weltoffenheit finde ich für die Zeit durchaus bemerkenswert.

Er vergleicht dann die Königin mit dem ebenfalls großartigen „Bismarckapfel“. Der trotz des Namens auch keine deutsche Sorte ist – er wurde 1870 in der Stadt Bismarck in Tasmanien gezüchtet und kam über Neuseeland und England um 1888 nach Europa. Der Königin-Apfel blühte bei Fießer etwa acht Tage später als der Bismarck, „überholte“ ihn dann aber innerhalb weniger Wochen.

Die Königin ist ein Apfel von Format, die Früchte haben selbst an jungen Bäumen einen Umfang von 30 Zentimetern, einige kommen sogar auf 35 cm! Wie auf der Abbildung gut zu sehen, sind die Äpfel mehr flach als hoch, haben dabei aber eine sehr regelmäßige und daher für Fießer edle Form. (In der Obstsortendatenbak vom BUND Lemgo gibt es noch weitere schöne Abbildungen.)

Die glatte Schale zeigt im reifen Zustand eine schöne orange-gelbe Grundfarbe mit kräfitigen roten Streifen.

Das weiße, zarte Fruchtfleisch sei beinah schmelzend, hat eine weinsäuerliche Note mit einem feinen Aroma, weshalb er die Sorte sowohl als Wirtschafts- wie auch als Tafelapfel schätzt. Bei der „Arche Noah„, der „Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt & ihre Entwicklung“, wird er wegen seiner Säure allerdings nur Liebhaber*innen saurer Äpfel empfohlen.

Zur Ernte gibt es verschiedene Bemerkungen: Fießer nennt den August, genußreif sei der Apfel dann aber erst im Oktober und November (länger ist er nicht lagerbar). Dann sei er auch ideal für die Most- und Apfelwein-Herstellung und auch als Dörr- und Kompottapfel empfehlenswert.

Die Arche Noah empfiehlt die Ernte erst ab Oktober, dann sei der Apfel auch vom Baum weg reif; die Haltbarkeit wird aber auch nur bis in den November genannt. In Österreich gebe es die einst in ganz Europa verbreitete Sorte noch vereinzelt.

In Baumschulen ist die alte Sorte heute noch zu bekommen, beim Erhalternetzwerk finden sich Reiser.

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