AdT: Wellington – it’s all about marketing (07.11.2018)

Historische Abbildung eines gelb-rötlicher Apfel;  BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Wellington; ©BUND Lemgo

Die Abbildung des heutigen Apfel des Tages, de mWellington, findet sich „Österreichisch-Ungarischen Pomologie“ von Rudolf Stoll (1847-1913). Der Apfel wurde vor allem auf den Londoner Märkten als Wellington gehandelt, auch deutsche Baumschulen nutzten diesen Namen, mit dem das Andenken des bekannten englischen Generals geehrt werden sollte.

Richard Dumeller aus Shakerstone in Leicestershire hat den Apfel wahrscheinlich im späten 18. Jahrhundert gezüchtet und 1812 in den Handel gebracht. Bekannter ist der Apfel in England als Dumelow’s Seedling, als Dumelow’s Crab, Normanton Wonder – und korrekterweise als Dumeller’s Seedling. Er wurde zu einem der am meisten angebauten Äpfel im viktorianischen England, was auch an seinem Geschmack und seiner guten Haltbarkeit lag.

Die Äpfel von hochstämmigen Bäumen sind fast kugelförmig, größere Früchte sind etwas platter. Die Rundung ist meist vollkommen, nur bei sehr großen Früchten ist sie etwas gestört.

Die feine, wachsartig glänzende Schale ist weißgelb, was sich beim Reifen zu einem hellen Zitronengelb wandelt. Auch auf der Sonnenseite ist kaum eine Röte zu sehen, höchstens ein leichter Anflug, der auch in dünnen Streifen auftreten kann. Feine, verstreute Punkte sind häufig grün umringelt; Warzen und einzelne schwarze Flecken sind nicht selten.

Das weißliche, ziemlich feste Fruchtfleisch ist sehr saftig, hat allerdings einen nur sehr sauren Geschmack, der erst im Sommer eine feine weinsäuerliche Note erhält und dann auch eine schwach Würze entwickeln kann. Die Säure und das sehr feste Fleisch machen den Apfel als Tafelfrucht eher uninteressant, allerdings ist die heftige Säure eine Stärke beim Kochen: Es gibt ein Mus mit einem ausgeprägten Apfelgeschmack. Bereitet man den Apfel mit einer süßen Sorte zu, die beim Kochen auch nicht – wie der Wellington – zerfällt, kann dies eine interessante Kombination mit einem schönen Kontrast zwischen Texturen und süßen und sauren Aromen ergeben.

Als Küchenapfel ist er den ganzen Winter hindurch verwendbar. Durch die gute Lagerbarkeit kann er dann im Sommer als Tafelfrucht genutzt werden. Auch als Mostapfel ist er sehr gut geeignet. Im Gegensatz zu seiner etwas schwierigen geschmacklichen Ausrichtung wird er in seiner Schönheit nur von sehr wenigen Sorten übertroffen. Dazu kommt ein sehr kräftiger Wuchs und ein sehr guter Ertrag. Auch in nicht so guten Obstlagen wurde er in Deutschland vom Pomologen Eduard Lucas (1816-1882) als Straßenbaum ersten Ranges empfohlen. In England gibt es immer noch Bäume dieser Sorte.

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