AdT: Zwiebel Borsdorfer – und ein Experiment (30.03.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen Apfels am Ast und eines auf von unten betrachteten Apfels; BUND Lemgo
Der Zwiebel Borsdorfer, aus Langethals „Deutschem Obstcabinet“; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages wäre für das Marketing vermutlich eine harte Nuß: Zwiebel-Borsdorfer. Die alte Sorte des Kulturapfels heißt auch Oignon de Borsdorf, Zipollenapfel oder Zwiebelapfel. Was die Kund*innen vermutlich einige Überwindung kosten würde, wenn sich in der Vorstellung „Zwiebelgeschmack“ aufdrängt.

Der Apfel soll aus den Niederlanden oder Deutschland stammen und schon vor 1700 bekannt gewesen sein. Im 19. Jahrhundert war er in Mähren sehr verbreitet, während Gustav v. Flotow (1789-1864) im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF) zwar von einer weiten Verbreitung in Deutschland spricht, ihn allerdings nirgends in großer Menge angebaut sieht.

Die feine, glatte Schale ist leicht matt glänzend, wandelt die Farbe von hellem Grünlichgelb zu Hellgelb, auf der Sonnenseite kann es eine starke karmesinrote Färbung geben. Sie welkt nicht, hat aber auch kaum merklichen Geruch.

Das helle, gelblichweiße Fruchtfleisch ist eher fest, dabei aber fein, im Laufe des Reifens markig. Über die Saftigkeit gibt es verschiedene Aussagen, er wird als ziemlich oder auch nur mäßig saftig beschrieben. Der Apfel hat eine weinige Note mit leichter Säure, die nach Flotow auf gutem Boden und in warmer Lage aber fast gänzlich fehlt.

Auch bei der Reife variiert es von Ende Oktober bis Ende November – da werden wohl ebenfalls Boden und klimatische Bedingungen eine Rolle spielen.

Lagerbar ist der Apfel bis ins Frühjahr. Er ist als Tafelapfel von guter Qualität, als Küchen- und Dörrapfel von erstem Rang.

Und sonst:

Der Apfel erinnert mich an ein Experiment aus einem meiner liebsten Kinderbücher, dem „Spiel, das Wissen schafft“: Beim Biß in eine Zwiebel könne ich nicht unterscheiden, ob es eine Zwiebel oder ein Apfel ist, wenn ich mir die Nase zuhalte. Wer es einmal probieren möchte, darf hier gern von seinen oder ihren Erfahrungen berichten.

Der Autor des schön illustrierten Buchs war Hans Jürgen Press, dessen Bildgeschichten vom „Kleinen Herrn Jakob“ mir immer gefallen haben. Und von dem gibt es sogar eine Apfel-Geschichte!

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