AdT: Weißer Bastard Winterkalwill – noch eine Variante (10.12.2022)

Historische Abbildung eines gelb-roten Apfels;  BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Weißer Bastard Winterkalwill; © BUND Lemgo

Wir hatten früher schon einmal den Weißen Winter-Kalvill und den Weißen Winterkalwill Tollapfel, die beide in Johann Prokop Mayers (1737-1804) Pomona Franconica beschrieben wurden – auf diese Einträge verweise ich deshalb. Der heutige Apfel des Tages ist die Variante des Weißen Bastard-Winterkalwill und ebenfalls bei Mayer zu finden.

Um 1785 erhielt Mayer aus Straßburg ein junges Bäumchen, das er an einer hohen Mauer zum halbstämmigen Spalier heranzog, wobei er immer nur wenige Äpfel heranreifen ließ, damit diese größer wuchsen. Die Sorte ähnelt sehr dem Weißen Winterkalwill, nur hat der Bastard weniger stark ausgeprägte Rippen und Erhöhungen. Der Apfel zeigt etwas mehr Röte, ist in der Qualität aber nicht so gut wie der Weiße Winterkalwill. Gegen Weihnachten ist er genußreif, Mayer empfiehlt ihn als Kompott-Apfel. Auch er gehört zu den Schlotter-Äpfeln, die Kerne liegen lose in den großen Kerngehäusen und klappern.

AdT: Röthliche Reinette (09.12.2022)

Historische Abbildung eines gelb-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo

Rötliche Reinette; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist die Rötliche Reinette, die Abbildung stammt aus den Pomologischen Monatsheften, die 1855 von den Pomologen Eduard Lucas (1816-1882) und Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) als „Monatsschrift für Pomologie und praktischen Obstbau“ (1855-1865) gegründet wurden. Sie hieß später „Illustrierte Monatshefte für Obst- und Weinbau“ (1865-1874), eben „Pomologische Monatshefte“ (1875-1905) und „Deutsche Obstbauzeitung“ (1906-1922).

Der Beitrag zur Sorte, den Eduard Lucas 1868 in Band 14 veröffentlicht hatte, war eine eher knappe Beschreibung und eher dazu gedacht, die Sorte vorzustellen. Sie wurde bei der 5. Versammlung Deutscher Pomologen als sehr gute Sorte zum vermehrten Anbau empfohlen, die zudem sehr einträglich sei. Von Diel zunächst als Kronenreinette beschrieben, wurde sie damals sowohl zu den Gold- wie auch zu den Roten Reinetten gezählt, Lucas merkt an, daß die Sorte „jeder natürlichen Eintheilung zu spotten scheint“. Diel erhielt sie aus Brüssel als Reinette rousse und aus Holland als Kron Renet.
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AdT: Scotts Winter (08.12.2022)

Historische Abbildung eines roten Apfels mit gelblichen Streifen und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA

Scotts Winter; © USDA

Der heutige Apfel des Tages ist der Scotts Winter, oder auch einfach nur Scott. Mary Arnold hatte ihn 1912 für die Pomological Watercolor Collection des USDA festgehalten. Das Exemplar hatte sie von einem W. (?) Knight aus dem Bayfield County in Wisconsin. In der Sammlung gibt es vier Abbildungen, von denen das Kalender-Exemplar das hellste ist. Eine Beschreibung findet sich in Band 1 der Apples of New York.

Dort wird die Sorte als Scott geführt, es gibt aber auch noch die Synonyme Scott’s Red Winter und Wilcox’s Winter. Entstanden ist die Sorte um 1864 auf der Scott Farm in Newport, Vermont. Später machte sie ein Dr. T. H. Hoskins aus Newport bekannt. Die Sorte war um 1900 nicht allgemein unter den Obstbauern in New York bekannt, wurde in verschiedenen Teilen dieses Staates und in Kanada verbreitet, aber nirgendwo in großem Umfang angepflanzt.
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AdT: Weißer Wintercalvill (07.12.2022)

Historische Abbildung von zwei gelblich-grünen Äpfeln, eines aufgeschnittenen Apfels und eines stilisierten Blattes; BUND Lemgo

Weißer Wintercalvill; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist der Weiße Wintercalvill, die Abbildung stammt aus dem Band Unsere besten Deutschen Obstsorten, der 1929 in der 6. Auflage erschien und in dem 52 Apfelsorten vor- und dargestellt wurden. Dank des BUND Lemgo können sie auch online betrachtet werden.

Es ist ein alter, unter zahlreichen Namen Bekannter, den ich im Blog als Calvilla Bianco d’Inverno ausführlicher beschrieben habe. Beim BUND Lemgo gibt es auch die Beschreibung aus „Unsere besten Deutschen Obstsorten“ als PDF zum Nachlesen.

Und sonst:

Beim Namen des heutigen Apfels fiel mir eine frühe LP des Kronos Quartet ein: Winter was hard. Das Titelstück (Youtube), das der finnische Komponist Aulis Sallinen 1969 geschrieben hat, gefällt mir immer noch sehr gut, wie das ganze Album.

AdT: Pomme de Cosenza – der Köstlichste (06.12.2022)

Historische Abbildung eines grün-roten Apfels;  BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Pomme de Cosenza; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages, der Pomme De Cosenza, stammt aus Südtirol und wurde erstmals 1856 von Eduard Lucas (1816-1882) in den Pomologischen Monatsheften beschrieben. Die Abbildung zeigt die für Rudolf Stoll (1847-1913) typischen mehrsprachigen Bezeichnungen aus der „Österreichisch-Ungarischen Pomologie“. Er wird dort auch Cossensa oder Mela Lazeruola genannt*.
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Apfelzeichen XY – gesucht wird …

Zwei Fotos zeigen einen gelben Apfel mit roten Flecken und einem langen Stiel, das andere einen aufgeschnittenen Apfel dieser Sorte

Heute traf ein weiterer Kommentar zum Beitrag über den Dominion ein, wieder wurden Äpfel gefunden, die dieser Sorte ähneln. Allerdings glaube ich nicht, daß es sich dabei um die US-Sorte handelt.

Freundlicherweise hatte mir eine Leserin aus Niederbayern Fotos ihrer Äpfel geschickt (es gibt sie auch in der Gegend von Bad Hersfeld). Ein bißchen erinnern sie mich mit den den roten Flecken an den Gefleckten Goldapfel – der ist allerdings im Gegensatz zum gesuchten Exemplar gleichmäßig gebaut.

Mit dem Foto werde ich mal mein Glück bei einigen Pomologen versuchen. Aber vielleicht kennt auch jemand der Mitlesenden diese Sorte?

AdT: Augustine Winter (05.12.2022)

Historische Abbildung eines flachen, roten und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA
Augustine Winter; © USDA

Der heutige Apfel des Tages ist der Augustine Winter, der sehr stark nach einer Holzapfel-Sorte aussieht. Die Abbildung hatte Mary Arnold 1928 für die Pomological Watercolor Collection des USDA angefertigt, das Exemplar stammte von der Versuchsstation Rosslyn im Arlington County in Virginia. Mary Arnold hatte ein Jahr später noch ein Exemplar gezeichnet.

Zu dieser Sorte habe ich nur zwei Protokolle gefunden, die auch bei der Versuchsstation Rosslyn in Arlington geschrieben wurden. Der deutlich abgeflachte Apfel wird als sehr hübsch eingestuft. Der Durchmesser ist 4 bis 4,5 cm, die Höhe ca. 4,2 cm.

Die Grundfarbe der Schale ist Gelb, der Apfel ist fast ganz mit einem leuchtendem Rot überzogen und etwas gestreift. Es gibt zahlreiche weißliche oder gelbliche Punkte.

Das gelbliche Fruchtfleisch ist feinkörnig, zart und brechend, der Saft hat eine milde Säure und ist etwas adstringierend. Der Geschmack ist nicht sehr ausgeprägt, aber angenehm.

Die Sorte sei so attraktiv wie ein gut entwickelter Hyslop oder wie die bekannte Holzapfel-Sorte „Transcendent“.

Erschwerend für die Bestimmung kommt hinzu, daß in Rosslyn nicht klar war, ob die dort vorhandene Sorte tatsächlich ein „Augustine Winter“ sei oder nicht. Auch ein zweites Protokoll konnte das nicht klären.

Also leider wieder ein unbekannter Apfel.

Die Künstlerin

Mary Daisy Arnold (ca. 1873–1955) gehörte (seit 1904) wie Deborah Griscom Passmore und Royal Charles Steadman zu den wichtigen Illustrator*innen beim US Department of Agriculture. Über ihr Leben weiß man nicht viel, da Unterlagen über sie vor 1921 vernichtet wurden.

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© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

AdT: Dittrichs Winterrosenapfel – eine schöne Geste (04.12.2022)

Historische Abbildung eines rot-gelblichen und eines aufgeschnittenen Apfels; bund lemgo

Dittrichs Winterrosenapfel; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist Dittrichs Winterrosenapfel, der in Thüringen schlicht Winterrosenapfel, Cardinal, Winter-Cardinal oder Rosen-Cardinal genannt wurde. Adrian Diel (1756-1839) hatte ihn dann nach Johann Georg Dittrich (1783-1842) benannt – was eine schöne Geste ist.

Dittrich war Pomologe und Koch, was ich bisher als Kombination noch nicht gesehen habe. Er hatte unter anderem als Hofküchenmeister für die herzögliche Familie Sachsen-Gotha-Altenburg gearbeitet, bedeutender waren aber seine Bücher über den Obstanbau. Angeblich wurden seine Methoden noch bis in die 1920er Jahre als Grundlagen gelehrt.

Die Abbildung stammt aus dem Deutschen Obstcabinet von Christian Eduard Langethal (1806-1878), an dessen Beschreibung ich mich auch halte.

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AdT: Virginischer Rosenapfel (02.12.2022)

Historische Abbildung eines gelblichen Apfels mit rötlichen Streifen, eines aufgeschnittenen Apfels und Büte mit Blättern; Biodiversity Heritage Library

Virginischer Rosenapfel; © Biodiversity Heritage Library

Der heutige Apfel des Tages ist der Virginische Rosenapfel, die Abbildung stammt aus Wilhelm Lauches Deutscher Pomologie, die von 1879 bis 1884 in 6 Bänden erschien. Lauche (1827-1883) war Gärtner, Dendrologe und Pomologe, seine Beschreibung des heutigen Apfels findet sich im umfangreichen Angebot der Wageningen University & Research.

Die Sorte gab es schon mehrfach in diesem Blog, immer mit sehr schönen Abbildungen, gesammelt sind sie beim BUND Lemgo zu sehen. Ich verweise darum nur auf den ausführlicheren Beitrag zur Sorte.

Und außerdem auf den interessanten Webauftritt Streuobst in Bayern, der vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege in Bayern e.V. betrieben wird. Dort gibt es auch eine Seite zu dieser Sorte, die immer noch erhältlich ist.

Und sonst:

Etwas weiter hergeholt, verlinke ich auf einen Country-Klassiker – und jetzt alle: Country Roads …. Immerhin zählt der Bundesstaat Virginia in den USA zu den Hauptanbaugebieten für Äpfel.

AdT: Roter Trier’scher Weinapfel (30.11.2022)

Historische Abbildung von zwei grün-rötlichen Äpfeln und einem aufgeschnittenen Apfel sowie ein stilisiertes Blatt; BUND Lemgo
Roter Trier’scher Weinapfel; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist der Rote Trier’scher Weinapfel (auch Roter Trierer Weinapfel). Die Abbildung stammt aus dem Band Unsere besten Deutschen Obstsorten, der 1929 in der 6. Auflage erschien und in dem 52 Apfelsorten vor- und dargestellt wurden. Dank des BUND Lemgo können sie auch online betrachtet werden.

Wie der Name schon vermuten läßt, wurde der Zufallssämling in der Gegend von Trier gefunden und von dort unter dem Namen Roter Holzapfel und Roter Trier’scher Holzapfel (sic) verbreitet. Um 1930 soll die Sorte von fast allen großen Baumschulen angeboten worden sein.

Die kugelförmigen, manchmal auch rundlichen Äpfel gehören mit 5 bis 6 cm Breite und 4 bis 6 cm Höhe zu den kleineren Sorten. Über den ganzen Apfel zeigen sich flache Erhabenheiten, wodurch eine Hälfte der Frucht, wie auch auf der Abbildung zu sehen, meist höher als die andere ist. Der geschlossene Kelch ist von vielen perlartigen Rippen umgeben.
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