AdT: Apfel von Sedan (12.11.2018)

Historische Abbildung eines gelb-rötlichen Apfels;  BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Apfel von Sedan; ©BUND Lemgo

Beim heutigen Apfel des Tages, dem Apfel von Sedan, wird es wieder etwas knifflig. Es gibt beim BUND Lemgo und in der älteren Literatur einen Grünen und einen Roten Apfel von Sedan. Bei Johann Lexa von Aehrenthal (1777-1845) werden in seinen „Deutsche Kernobstsorten“ (erschienen 1837 bzw. 1842) beide Sorten als Pomme de Sedan geführt, wobei dem Grünen eben auch das Grün beigefügt wird. Aehrenthal nimmt in den Beschreibungen aber keinen Bezug auf die jeweils andere Sorte. Andere, wie Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF), setzen beide Äpfel als eine Sorte oder wissen nicht sicher zu belegen, welcher der ursprüngliche war. Und dann kommt da noch der Rote Augustiner, der auch Auberive, Kellerapfel, Moeneuvre, Moyeuvre, Mühlapfel, Roter Apfel von Sedan, Roter Herbsttaffetapfel, Sammetapfel, Seidenrock, Tafft-Apfel oder Wollenschläger heißt.

Also halte ich mich an Aehrenthal, aus dessen 3. Band die Kalenderabbildung stammt. Demnach ist es ein ansehnlich großer und vortrefflicher Wirtschaftsapfel, und auch als Tafelapfel soll er angenehm sein. Er ist meistens platt aussehend, nur selten etwas kugelförmig, dabei in der Breite häufig unregelmäßig.

Im Kelch sieht man feine oder schöne Rippen, die bei manchen Früchten sehr sichtbar, beinah kalvillartig über den Apfel laufen, bei anderen aber nur in breiten Erhabenheiten bestehen.

Die Grundfarbe der feinen, geschmeidigen, etwas fettigen Schale ist ein blasses Hellgrün, das beim Lagern gelblich wird. Diese Farbe sieht man an manchen Früchten gar nicht, sie sind stattdessen überall mit einem sehr hellen Blutrot überwaschen, wodurch auf der Schattenseite die gelbliche Grundfarbe durchschimmert. Auf der Sonnenseite ist das Blutrot stärker und glänzend, doch so, daß die Grundfarbe immer noch durchscheint. Bei anderen, etwas beschatteten Früchten ist die Röte nur marmorartig oder fleckenweise verteilt, man sieht dann vieles von der Grundfarbe, doch selten ganz rein. Punkte gibt nur sehr wenige, sie sind sehr fein; im starken Rot sind es dunkelrötliche Fleckchen. Die Frucht riecht fast gar nicht.

Das weiße, ins grünliche spielende Fruchtfleisch ist saftig, locker, markig und von einem sehr angenehmen, zuckerartigen Geschmack, der durch eine feine Weinsäure gewinnt. Aehrenthal hält den Apfel daher auch zum Wein vorzüglich geeignet.

Die Genußreife beginnt Mitte September, die Frucht welkt nicht und hält sich bis Weihnachten. Allerdings ist die Schale druckempfindlich. Aehrenthal stuft die Sorte als eine der ersten vom II. Rang ein.

Der Baum wird recht groß, ist schön und dicht belaubt und sehr fruchtbar.

Es ist merkwürdig, daß Aehrenthal nichts über die Herkunft schreibt, obwohl er Adrian Diel (1756-1839) als Quelle anführt. Falls es sich bei seinem Apfel um den Roten Augustiner handelt – und die Fotos sprechen dafür -, dann war die Sorte schon im Frankreich des 18. Jahrhunderts bekannt und heute noch besonders in Süddeutschland zu finden. Daher empfehle ich den Artikel (PDF) von Dr. Philipp Eisenbarth vom Arbeitskreis „Historische Obstsorten Pfalz, Elsaß, Kurpfalz“.

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