AdT: Purpurroter Cousinot (27.07.2022)

Historische Abbildung einesroten und eines aufgeschnittenen Apfels sowie der Blüte; BUND Lemgo
Purpurroter Cousinot; © BUND Lemgo

Vom heutigen Apfel des Tages, dem Purpurroten Cousinot, habe ich noch nie gehört. Umso überraschter war ich, als ich in der Obstsortendatenbank des BUND Lemgo zahlreiche Abbildungen entdeckte. Die Kalender-Abbildung stammt aus Wilhelm Lauches Deutscher Pomologie, die von 1879 bis 1884 in 6 Bänden erschien.

Lauche (1827-1883) war Gärtner, Dendrologe und Pomologe, die Abbildung und seine Beschreibung des heutigen Apfels findet sich im umfangreichen Angebot der Wageningen University & Research.

Die Sorte ist vermutlich deutschen Ursprungs und war in der Provinz Brandenburg und Hannover am meisten verbreitet. In Trier wurde sie 1874 bei der 7. Versammlung deutscher Pomologen unter die 50 zu empfehlenden Sorten aufgenommen.

Die Äpfel sind mittelgroß, wirken dabei hoch aussehend, da der Bauch etwas unter der Mitte sitzt. Die Form ist auf der Abbildung auch schön zu erkennen.

Die glatte, glänzende Schale ist bei der Ernte hellgelblich-grün, wird beim Lagern gelb, ist dann aber mit roten Streifen und dazwischen liegenden roten Punkten so dicht besetzt, daß sie fast ganz rot erscheint, auf der Sonnenseite fast blutrot. Richtige Punkte sind wenige zu sehen, dagegen findet man viele Früchte stellenweise mit gelblichem, netzartigem Rost überzogen.

Das gelblich-weiße, feine Fruchtfleisch ist manchmal unter der Schale rötlich, dabei saftig mit einem weinsäuerlichen, schwach zimtartigen Zuckergeschmack. Rolf Meyer nennt den Geschmack nach einer recht aktuellen Kostprobe „wohlschmeckend, süß-säuerlich mit leicht bitterem Anteil, durch die Bitterstoffe wahrscheinlich gut geeignet für Apfelsaftmischungen.“

Der Purpurrote Cousinot ist ein guter Wirtschaftsapfel, kann aber auch als Tafelapfel verwendet werden. Die Lagerreife beginnt im Dezember; laut Lauche hielt er sich bis in den Sommer; bei Bannier werden dagegen nur drei bis vier Wochen genannt.

Der Baum wächst nicht sehr stark, bringt aber gute Erträge, ist nicht empfindlich, gedeiht in jedem Boden und auch in höheren Lagen. Er wird vom Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz NRW als Streuobst-Anbausorte empfohlen, auch von Baumschulen wird er noch angeboten.

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