AdT: Smokehouse – gern geklaut (26.11.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-roten und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA

Smokehouse; ©USDA

Der heutige Apfel des Tages, der Smokehouse, hat mich etwas überrascht. Wegen des Namens hatte ich erwartet, nichts pomologisches, aber ganz viele Einträge zu Rauch-Cafés zu finden. Falsch gedacht. Tatsächlich leitet sich der Apfelname vom Ursprungsbaum ab, der neben einem Smokehouse, also einer Räucherkammer, stand. Er wird in Creighton Lee Calhouns „Old Southern Apples“, in Tom „Professor Apple“ Burfords Buch „Apples of North America – „192 Exceptional Varieties for Gardeners, Growers, and Cooks“ und in Adams Blog beschrieben, und von allen als einer der besten Tafeläpfel überhaupt gelobt.


Der erste Baum stand bei einem William Gibbons im Lancaster County, Pennsylvania, in der Nähe der erwähnten Räucherkammer. 1837 wurde er das erste Mal öffentlich beschrieben, obwohl er schon seit längerer Zeit in einer Baumschule in der Nähe des Ursprungsortes angebaut wurde. Man vermutet, daß er ein Sämling des alten Vandevere aus Delaware und Pennsylvania ist, da er dieser Sorte sehr ähnelt; zwischenzeitlich wurde er auch mit ihm verwechselt, daher stammen einige seiner Synonyme: English Vandevere, Millcreek Vandevere oder Red Vandevere.

Der Smokehouse ist ein großer Apfel, und wenn er gut gefärbt ist, wirkt er auch sehr attraktiv. Die Apples of New York kritisieren allerdings, daß die Farbe häufiger nicht ausgeprägt sei und unentschieden zwischen Rot und Gelb schwanke. Auch neigt der Baum zu Schorfanfälligkeiten und müsse sehr gut gepflegt werden, um gute Äpfel zu bekommen. Da die Krone sehr dicht wächst, muß sie stark ausgedünnt werden, damit die Äpfel genügend Licht bekommen. Allerdings bringt der Baum dann immer noch reichlichen und zuverlässigen Ertrag.

In der Form ist der Apfel, wie auch auf der 1923 von Royal Steadman in Rosslyn im Arlington County, Virginia, angefertigten Abbildung zu sehen ist, rundlich und abgeflacht, recht regelmäßig und beinahe oder vollständig symmetrisch.

Die dünne, zähe Schale ist glatt oder nur leicht aufgeraut, mit feinen Rostlinien und rötlichen Punkten versehen. In der Grundfarbe gelb oder grünlich gefleckt mit eher stumpfen Rottönen, die sich manchmal zu einem kräftigen leuchtenden Rot verstärken. Dazu kommen undeutliche Flecken oder Streifen und karminrote Spritzer. Große auffällige Punkte sind unregelmäßig, grau oder rostrot, im Kelch werden sie kleiner und zahlreicher. Meist wirkt der Apfel grünlichgelb, bei stark gefärbten Exemplaren kann er auch als roter Apfel durchgehen.

Das leicht gelbliche Fruchtfleisch ist eher fest, mäßig fein, knackig und mäßig zart. Der reichlich vorhandene Saft hat eine milde Säure, ist zart aromatisch mit angenehmem, aber nicht besonderem Geschmack. Sagen die Fachleute in den Apples of New York.

Allerdings scheint der Smokehouse eine sehr kurze Reifezeit zu haben. Alle oben genannten nennen ihn, wenn er die richtige Reife hat, einen der besten Äpfel überhaupt. Calhoun erzählt von einer Nachbarin, die dafür bekannt war, zu sagen, was sie denkt: said, “This is the best apple I have ever eaten.” Adam hätte den Smokehouse gern direkt vom Baum probiert, aber auch sein Exemplar hat einen großartigen Geschmack, bei dem er eine malzige Note bemerkt. Nach der wohl nur einige Wochen dauernden Genußreife wird der Apfel allerdings schnell mehlig.

Lee Calhoun bemerkt allerdings, daß im Süden geerntete Äpfel deutlich länger halten und sehr lang gelagert werden können. Bereits im Juli kann mit dem Smokehouse gebacken werden, im August und September ist er dann als Dessertapfel ideal. Und auch als Ciderapfel soll er sehr gut geeignet sein. Wenn es um geklaute Äpfel aus Nachbars Garten geht, soll der Smokehouse ganz weit oben auf der Liste der begehrten Sorten stehen.

Tom Burford steuert noch eine persönliche Geschichte bei: Seine Großmutter und seine Mutter gingen an einem feucht-heißen Augusttag im Jahr 1935 zu einer Plantage, um Smokehouse-Äpfel zu holen. Kaum dort angekommen, mußte die Mutter sofort wieder umkehren. Zehn Minuten später kam Tom Burford zur Welt …

Der Künstler

Der 1875 geborene Royal Charles Steadman gehörte wie Ellen Isham Schutt (1873–1955), Mary Daisy Arnold (ca. 1873–1955) und Deborah Griscom Passmore (1840–1911) zu den Illustrator*innen beim USDA und arbeitete dort seit 1915 als „pomological artist“. Er ist mit 892 Dokumenten in der pomologischen Aquarellsammlung verzeichnet.

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© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

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