AdT: Wolf River – und langsames Kochen (24.03.2018)

Historische Abbildung eines rötlich-gelben und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA
Der Wolf River, 1926, Arlington County, Virginia; ©USDA

Und schon wieder so ein großer Apfel des Tages. Das Apple Journal bringt es auf den Punkt: Falls an einem Obststand in den USA ein Apfel von der Größe eines kleinen Kürbis‘ liegt, ist es wahrscheinlich ein Wolf River. Er kann auch schon mal 30 cm Umfang und ein Gewicht von 450 Gramm erreichen* – durch die etwas gedrungene Form wirkt er dann nicht ganz so massiv als wenn er ganz rund wäre.

Er wurde zum ersten Mal um 1870 am Wolf River in Wisconsin entdeckt, daher sein Name.

Die Schale ist hellgrünlich-gelb mit einem darüberliegenden schönen Rot, das streifig auftritt und den leicht gerippten Apfel sehr appetitlich wirken läßt.

Das saftige, hellgelbe Fruchtfleisch ist knackig, aber zugleich nachgebend und angenehm zu kauen, was ihn für Apfelkuchen ideal macht. Er hat einen milden Geschmack und eine leichte Säure, ist weinig-würzig mit einer leichten Pfeffernote, wie Adam feststellt.

Er wird im September geerntet und ist bis in den Oktober hinein verwendbar.

Er kann als Tafelapfel genutzt werden, sollte dann aber schon früh gegessen werden; außerdem empfiehlt das „Apple Journal“, dafür nach Exemplaren mit kräftiger Farbe zu schauen. Sonst ist er ein exzellenter Küchenapfel und auch zum Dörren gut.

Und dann stolperte ich noch über „apple butter“, für deren Herstellung er sehr geeignet sei. Dahinter verbirgt sich eine Spielart des auch im Rheinland bekannten Apfelkrauts. In den USA hat es eine eigene Tradition, wie in der Wikipedia nachzulesen ist:

„In einigen Regionen der USA und Kanada hat Apfelkraut als apple butter eine große kulturhistorische Bedeutung. Die „Erfindung“ des Apfelkrauts wird meist den Siedlern in den Neuenglandstaaten, aber auch den Pennsylvania Dutch des 17. Jahrhunderts (unter der Bezeichnung Lattwaerick) und den Mennoniten zugeschrieben. Bis heute werden in diesen Regionen alljährlich zur Erntezeit große Volksfeste als apple butter festivals** organisiert.“

Der Einkauf wird mich heute in die süße Abteilung führen.

Der Baum ist widerstandsfähig und verträgt Kälte sehr gut, manche halten den Wolf River für einen „Frostapfel“, der kaltes Wetter braucht, um seinen Geschmack richtig entwickeln zu können.

Der Künstler

Der 1875 geborene Royal Charles Steadman gehörte wie Ellen Isham Schutt (1873–1955), Mary Daisy Arnold (ca. 1873–1955) und Deborah Griscom Passmore (1840–1911) zu den Illustrator*innen beim USDA und arbeitete dort seit 1915 als „pomological artist“. Er ist mit 892 Dokumenten in der pomologischen Aquarellsammlung verzeichnet.

Und sonst:

Ein Rezept für Zimt-Apfelbutter habe ich bei Slowcooker gefunden – entgegen dem Namen ist es eine deutschsprachige Seite von Gabriele Frankemölle. Und habe dann gleich noch erfahren, was ein Slowcooker ist.

* Zum Vergleich einfach mal einen handlesüblichen Apfel auf die Küchenwaage legen …

** Eine kleine Auswahl mit Videos von apple butter festivals.

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© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

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