AdT: Babbitt – wenig Apfel, viel zu lesen (11.06.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA

Der Babbitt, 1901 in Bremen (!), Ohio, von Deborah Passmore gemalt; ©USDA

Über den heutigen Apfel des Tages ist ein bißchen was zu erfahren. Der Babbitt wurde um 1838 von C. W. Babbitt in Illinois aus Samen des Baldwin-Apfels gezogen, in einigen Baumschulen wurde er dann als Western Baldwin angeboten. Er ist ein ganz schön aussehender, großer Apfel, allerdings sind seine Qualitäten als Dessertapfel eher begrenzt – er ist einfach zu sauer.

Seine gelbe, meist gesprenkelte Schale ist in der Grundfarbe gelb, dazu kommen schöne Karmin-Streifen.

Das weißliche, manchmal auch etwas gelbe Fruchtfleisch ist feinkörnig und knackig. Er ist von Oktober bis April genußreif, allerdings stark säuerlich bis sauer, weshalb er sich nur als Küchenapfel anbietet. Dazu kommt, daß er im Ertrag nicht zuverlässig ist: Um 1900 gaben die Bäume in Maryland wenig Ertrag, in Michigan dagegen sehr guten. Daher riet man auch in den Apples of New York vom kommerziellen Anbau ab.

Und sonst:

Bei „Babbitt“ dachte ich gleich an Sinclair Lewis (1885-1951). Sein Roman gleichen Titels, der ihm wohl auch 1930 zum Literatur-Nobelpreis verhalf, erschien 1922 und beschreibt auf fast 800 Seiten das mittelmäßige und konformistische Leben des erfolgreichen Immoblienmaklers George F. Babbitts, der mit seiner Familie in der (erfundenen) Stadt Zenith lebt. Irgendwann bemerkt Babbitt seine Unzufriedenheit mit dem „American Dream“, er versucht auszubrechen. Was ihm nicht wirklich gelingt. In seiner Darstellung ist das einer der Romane, die ich schwer ertrage, weil sie doch sehr deprimierend sind.

Interessanterweise hat sich in der amerikanischen Populärkultur der „Babbitt“ als Charakter mit seinen durchaus negativen Zügen etabliert. Ein Babbitt ist laut dem New Shorter Oxford English Dictionary „ein materialistischer und selbstgefälliger Geschäftsmann, der den Standards seiner Klasse entspricht“. Ziemlich crazy kommt das in einem Ausschnitt aus der Musical-Komödie „Ziegfeld Follies“ rüber, wenn Fred Astaire und Gene Kelly die Nummer „The Babbitt and the Bromide“ präsentieren – sehr sehenswert!

………………..
© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.