AdT: Quittenförmiger Gülderling (02.02.2022)

Historische Abbildung eines gelblich-grünenen und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo
Quittenförmiger Gu/ülderling; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist der Quittenförmige Gülderling, die Abbildung stammt aus dem Deutschen Obstcabinet von Christian Eduard Langethal (1806-1878). Offensichtlich wurde beim Erstellen der Tafel das „ü“ übersehen – im Text nennt Langethal den Apfel immer Gülderling.

Von den Gulder- oder Gülderlingen hatten wir schon ein paar. Adrian Diel (1756-1839), der viele Sorten ja erstmals verbindlich beschrieben hatte und auf den sich viele Pomologen bezogen, hatte die „Familie“ zusammenfassend beschrieben: Die Gulderlinge besitzen ein sehr festes, feinkörniges Fruchtfleisch, das zwar einen guten süßsäuerlichen Geschmack biete, dem es aber an einer eigenen Würze oder einem besonderen Aroma fehle. Die kleinen bis mittelgroßen Äpfel sind plattrund und zum Kelch hin etwas zugespitzt und zeigen dort häufig Rippen. Die Schale, die häufig Rost zeige, ist meist gelbgrün, diesem „güldenen“ Farbton verdanken sie auch den Namen. Eine andere Färbung ist dagegen selten.

Von Diel stammt auch die Bezeichnung „Quittenförmiger Gülderling“. Er erhielt einen solchen Apfel von einem Gärtner als „Citronenapfel“, benannte diese Sorte dann aber um. Darauf bezieht sich wohl auch Langethals Namenszusatz, den er im Text auch mit einem Komma abtrennt. Er hat einen eigenen Artikel über einen Citronenapfel, der sich schon optisch unterscheidet.

Langethal stimmt bei seiner Beschreibung in vielen Punkten mit Diel überein. Der abgebildete Apfel maß 3 Zoll in der Breite und in der Höhe, sie können auch um 1/4 bis fast 1/2 Zoll höher sein. Sie runden sich von der unter der Mitte liegenden höchsten Breite zum Stiel hin ab und laufen zum Kelch hin spitz zu. Es kann aber auch eine Ähnlichkeit mit der Birnenquitte geben.

Die glänzende Schale ist am Baum hellgrün, entwickelt beim Reifen dann aber ein kräftiges Zitronengelb, ein Rot tritt nicht auf. Nur am Kelch bliebe ein Grün weiterhin sichtbar. Die zahlreich vorhandenen Punkte bestehen entweder aus kleinen weißen Tupfen, oder sie sind sehr fein und bräunlich, dabei mit kleinen weißlichen Kreisen umgeben – in beiden Fällen fallen sie kaum auf.

Der Kelch sitzt in einer relativ tiefen Senke, dort bilden sich Beulen, die oft in Rippen übergehen, die sich wiederum Richtung Stiel ziehen. Der Stiel selbst sitzt entweder in einer engen Vertiefung oder verkümmert, wie es auf der Abbildung gut zu sehen ist.

Auch wenn dieser Gülderling nach Langethal die Form variieren und birnenartig oder kegelförmig wachsen kann, gebe es doch einige Merkmale, die ihn kennzeichnen: Die Form und Lage des Kelchs, die glatte Schale, die weite und kurze Kelchröhre und das große, offene Gehäuse.

Das sehr weiße, feine Fruchtfleisch beschreibt Langethal als saftig, locker, weinsäuerlich von Geschmack, doch ohne Gewürz. Da der Apfel, den er als „Frucht III. Rangs“ einstuft, aber erst im Januar genußreif und durch den Winter hindurch haltbar ist, verdient er Beachtung, zumal der schnell wachsende mäßig groß werdende Baum bald und reichlich trägt.

Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) hat den Apfel ebenfalls beschrieben (PDF), weicht gegenüber Diel und Langethal allerdings sowohl beim Geschmack, den er deutlich würziger nennt, als auch bei der Genußreife ab – hier gibt er November und bei manchen Äpfeln sogar schon den Oktober an.

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