AdT: Easter Pippin (14.04.2022)

Abbildung einer Buchseite, ein grüner Apfel und Text sind mit einem Zierrahmen umgeben; Biodiversity Heritage Library
Der Easter Pippin; © Biodiversity Heritage Library

Die Abbildung des heutigen Apfels des Tages stammt aus The Fruitist, zu dem ich schon ein bißchen geschrieben hatte und der um 1852 von Benjamin Maund (1790-1863) veröffentlicht wurde.

Maund beginnt mit einer für mich beinah unglaublichen Bemerkung zum Easter Pippin. Denn schon jetzt im April merke ich, daß einige Apfelsorten geschmacklich nachlassen, und bald beginnt die (erfreulicherweise kurze) tafelapfellose Zeit, weil es einfach nicht mehr wirklich schmeckt.

Maund also meint, daß der Easter Pippin als „Methusalem der Äpfel“ bezeichnet werden könne. Während manche Sorte nach der Ernte gerade mal ein paar Tage ihren vollen Geschmack behalten, andere ein paar Wochen, vielleicht sogar 20 bis 30 Wochen, hält der Easter Pippin bei guter Lagerung bis zu 100 (einhundert) Wochen! Also fast zwei Jahre …

Maund erhielt einige Äpfel von J. Twamley, Esq. aus Warwick, die im Vorjahr gepflückt wurden, die Zeichnung wurde im darauffolgenden Juni angefertigt. Nach einem dreiviertel Jahr ist der Apfel immer noch sehr grün, er unterscheidet sich kaum vom frisch gepflückten. Weshalb er mancherorts auch „Young’s Long Keeping“ genannt wurde. Nach zwölf Monaten beginnt er dann, eine gelbe Farbe anzunehmen, die dann später das Grün völlig verschwinden läßt. Zum Ende hin verblasst das Gelb dann schließlich.

Der Easter Pippin sei keineswegs von erstklassiger Qualität, weder als Küchen- noch als Tischfrucht; aber er sei trotzdem als gut einzustufen, und seine Langlebigkeit eben mache ihn wertvoll.

Die Schale ist beim Ernten tiefgrün, leicht gefärbt, auf der Sonnenseite braun und weiß gesprenkelt.

Das Fruchtfleisch ist zunächst hart, blaßgrün, wird aber allmählich, wie sein Äußeres, gelb; es ist säuerlich und von nicht unangenehmem Geschmack. Er wird hauptsächlich als kulinarischer Apfel verwendet, und dies zu allen Jahreszeiten. Nach zwei Jahren merkt man, auch wenn er immer noch in der Qualität gut ist, einen Geschmacksverlust.

Am Ende wendet sich Maund noch dem Baum und der Herkunft zu. Der Baum soll um 1800 vom Kontinent importiert worden sein, wahrscheinlich aus Frankreich, da ihm der Name „French Crab“ gegeben wurde. Er ist sehr robust und bringe reiche Ernte; aber ob die Sorten zum „verkleinerten“ Wachsen oder zum Veredeln geeignet sei, konnte Maund nicht sagen. Sein Fazit:

Es ist eine Sorte, die in jedem guten Obstgarten einen Platz haben sollte, die Äpfel dürfen zu keiner Jahreszeit fehlen.

Interessanterweise gibt es auch bei Eduard Lucas (1816-1882) im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF) eine längere Beschreibung, die Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) angefertigt hatte.

Er vermutet, daß der Easter Pippin auch in England entstanden sei, auch wenn das Synonym „French Crab“ Frankreich ins Spiel brächte. Doch eben dort fand Oberdieck keinen Hinweis auf die Sorte. Er erhielt den Reiser von der Londoner Royal Horticultural Society. Er beschäftigt sich noch etwas ausführlicher mit der Namensgebung, bringt eine Beschreibung des Apfels und erwähnt, daß der schottische Pomologe Robert Hogg (1818–1897) die Lagerung in trockenem Sand empfahl.

Oberdieck lobt sowohl den reichlichen Ertrag, die lange Haltbarkeit als auch den sehr milden, weinsäuerlichen, beinah in Richtung Süßwein gehenden Geschmack. Er erwartete, daß der Easter Pippin, den er den „Grünen Osterapfel“ nennt, schon bald auch in Deutschland große Verbreitung fände, auch wenn es mit dem Roten Eiserapfel und anderen schon lang haltbare Sorten gebe. Ein Blick in die Obstsortendatenbank des BUND Lemgo oder in den Rolff könnte belegen, daß das nicht geklappt hat.

5 Antworten auf „AdT: Easter Pippin (14.04.2022)“

  1. Vielen Dank für den Kommentar! Was meinst Du mit „besorgen“? Einen Apfel? Oder einen Reiser? Für letzteren habe ich leider keine Verwendung.

    „Hambledon Deux Ans“ klingt interessant, den werde ich mir mal ansehen.

    1. Leider nicht, mir fehlen die Ländereien 😄 Immerhin schaue ich auf dem Balkon einem Apfelbäumchen zu, das ich im April vor vier Jahren aus einem schon im Apfel gekeimten Kern gezogen habe. (Memo an mich: Ich sollte mal wieder ein Update machen.)

      Wenn ich fragen darf: Welche Sorten hast Du denn?

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