AdT: Erzherzog Anton – fast ne kölsche Jong … (09.06.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen Apfels; BUND Lemgo
Erzherzog Anton; ©BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages, der Erzherzog Anton, wird erfreulich ausführlich beschrieben. Adel verpflichtet eben. Rudolf Stoll (1847-1913) führt ihn in seiner „Österreichisch-Ungarischen Pomologie“ auf, die Kalenderabbildung stammt ebenfalls aus dem Band.

Der Apfel wurde erstmalig 1799 vom Augustiner-Chorherrn und Pomologen Josef Schmidberger (1773-1844) beschrieben, was nicht verwunderlich ist – er hatte ihn in St. Florian bei Linz aus dem Kern einer Reinette von Orleans gezogen. Schmidberger gilt als ein Pionier der Schädlingsbekämpfung, zudem züchtete und veredelte er Obstsorten.

Der Apfel scheint eines Erzherzogs würdig, denn Stoll nennt es „eine köstliche, prächtige und delicate Dessertfrucht, vortrefflich auch als Marktfrucht“. Auch Eduard Lucas’ (1816-1882) kurze Beschreibung oder Gustav v. Flotows (1789-1864) umfangreichere im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF) sind voll des Lobes.

Die sehr feine und glatte Schale ist wachsartig glänzend, in der Grundfarbe gelb, auf der Sonnenseite und darüber hinaus mit feinen, kurz abgesetzten zinnoberroten Streifen bedeckt. Bei beschatteten Früchten ist dies nicht so stark ausgeprägt. Es gibt feine hellbraune Punkte, die allerdings nicht sehr auffallen. Rostfiguren kommen wenig vor, Warzen manchmal.

Das schwach gelbliche Fruchtfleisch ist fein und sehr saftig. Es ist

„von wahrhaft delicatem, süssem, weinsäuerlichem, gewürzten Geschmacke, der in seiner Feinheit an den des siebenbürgischen Schmäckapfels erinnert.“

Schmidberger erinnerte es an den Borsdorfer, v. Flotow mehr an Parmänen als an Reinetten. Der französische Pomologe und Besitzer von Europas damals größter Baumschule, André Leroy (1801-1875), fand im Saft zudem einen besonderen Duft, der den Apfel zu einem der delikatesten mache. Diesen besonders angenehmen Duft stellte v. Flotow besonders beim Aufschneiden fest.

Der Erzherzog Anton ist ein Winterapfel, der ab Dezember reift und bis in den Februar hält, Lucas gibt ihm sogar bis Mai. Es scheint, daß der Baum heute nicht mehr erhältlich ist. Immerhin habe ich ihn noch in dem 2013 erstellten Abschlußbericht „Erhaltung und Nutzung alter Kernobstsorten im bayerischen Allgäu und am bayerischen Bodensee“ (PDF) erwähnt gefunden, ein Exemplar scheint noch erhalten.

Und sonst:

Historische Lithographie, die den alten Erzherzog Anton in einem Stuhl sitzend zeigt

Beim Erzherzog Anton dachte ich: „ja ja, österreichischer Adel halt“. Dann habe ich aber doch noch nachgelesen, und so kam ein regionaler Bezug heraus. Denn Anton Viktor Joseph Johann Raimund von Österreich (1779-1835) wurde 1801 der letzte gewählte Kurfürst von Köln und Bischof von Münster, die Ämter übte er aber nicht mehr aus. Das verhinderten Napoleon und die Preußen.

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