AdT: Jäger-Apfel (18.08.2018)

Historische Abbildung zweier gelblich-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels sowie ein Zweig und Blätter; BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Der Jäger-Apfel; ©BUND Lemgo

Jakob Gustav Pfau-Schellenberg (1815-1881) beschreibt den heutigen Apfel des Tages, den Jäger-Apfel, im Band „100 alte Apfel- und Birnensorten“. Interessanterweise findet sich bei ihm nicht der Hinweis auf den Rheinischen Winterrambur, der bei der Suche nach „Jägerapfel“ sofort auftaucht. Auch beim BUND Lemgo wird er nicht in Verbindung mit dem Jägerapfel genannt. Also behandle ich einfach als eigenständige Sorte und halte mich an Pfau-Schellenberg.

Pfau-Schellenberg nennt zwei mögliche Namensgründe: Es könnte ein Züchter namens „Jäger“ Pate gestanden haben. Im Aargau war ein Herr Jäger in Brugg „ein tüchtiger Kenner und Förderer des Obst- und Weinbaus“. Oder gewerbsmäßige Jäger hätten den Baum aufgefunden und verbreitet. Außerdem nennt er noch ein Synonym: den Harder-Apfel. Der Apfel ist nach Pfau-Schellenberg im Aargau entstanden und sehr verbreitet, und dort gebe es Hard, „einen Weiler zwischen Küttigen und Erlisbach“.

Die Äpfel sind kugelförmig, bisweilen auch länglich, aber immer breiter als hoch. Flache, manchmal stark hervortretende Erhabenheiten, die vom Kelch ausgehen, ziehen sich über den Apfel und „stören die regelmäßge Rundung“ – oder machen ihn gerade attraktiv.

Die Schale hat anfänglich eine grünliche, beim Lagern eine blaßgelbe Grundfarbe, die man aber wenig sieht, da sich eine blutrote Färbung über den ganzen Apfel zieht, aus dem dunklere Streifen und Punkte hervortreten. Ein bläulicher Duft überhaucht die ganze Schale, aus dem kleine, weißgraue, etwas erhabene und im Rot gelb umringelte Punkte hervortreten.

Das grünlich-weiße Fruchtfleisch ist fein, saftig, mürbe und angenehm weinsäuerlich. Der Apfel reift Ende Oktober und hält, gut gelagert, bis ins Frühjahr (das entspricht auch dem Rheinischen Winterrambur); die Dauer kann noch ausgedehnt werden, wenn der Apfel erst spät geerntet werden.

Der Baum ist mittelgroß. Die Blütezeit tritt ziemlich spät ein, der Baum trägt alle zwei Jahre reichlich, 60-80 Sester auf einmal. In der Schweiz war der Sester ein Hohlmaß für Getreide und entsprach 15 Litern, also ungefähr einem mittleren Haushaltseimer. 60-80 Eimer empfinde ich mal als eine ganz schön große Menge.

Die Sorte wächst in der Baumschule nur schwach und eignet sich vorzugsweise zum Umpfropfen älterer Bäume, die eine recht schöne Form erhalten. Zudem merkt Pfau-Schellenberg an, daß die Früchte von Bäumen im Tal doppelt so groß sind wie die in den Jura-Höhen. Die „Bergäpfel“ sind auch fast rein kugelförmig, bisweilen platt kugelförmig.

Also Küchen- und Mostapfel ist der „Streifling“ vortreffiich, daher empfahl Pfau-Schellenberg die weitere Verbreitung.

Insgesamt ein sehr interesseweckender Apfel. Ob es ihn heute noch gibt, konnte ich leider nicht herausfinden.

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