AdT: Pomeranzenapfel – wer hat ihn gefunden? (07.02.2022)

Historische Abbildung zweier gelb-rötlicher und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo
Der Pomeranzenapfel; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist der Pomeranzenapfel, die Abbildung stammt aus dem Deutschen Obstcabinet von Christian Eduard Langethal (1806-1878)

Die Sorte ist auch unter einigen anderen Namen bekannt:

Breitacher, Breitaar, Breitaer, Breitapfel, Breitiker, Breitor, Fuchsapfel, Muser, Pomeranzenapfel, Schiebler, Schweizer Breitacher, Schweizerbreitacher, Sonnenwirbel, Spotschiebler, Sternborsdorfer

Langethal beschreibt die Sorte recht ausführlich und bezieht sich auch auf Adrian Diel (1756-1839) und Eduard Lucas (1816-1882). Und da Langethal sehr lesbar geschrieben hat, nehme ich einfach seinen Text, den ich nur an wenigen Stellen der Rechtschreibung angepaßt habe.

„Diel stellte den jedenfalls ursprünglich deutschen Apfel zu den Plattäpfeln, sprach aber seine Zweifel aus, ob er nicht unter die Reinetten gehöre. Seine Gestalt ist oft sehr plattrund, meist sehr regelmäßig, nur die großen Früchte sind oft auf einer Seite etwas niedriger, und haben gewöhnlich bei 3 1/4 Zoll Breite 2 1/2 Zoll Höhe.

Kleinere Früchte sehen einem recht zeitigen Borstorfer ähnlich. Der Kelch ist geschlossen und steht in einer seichten mit feinen Rippen besetzten Einsenkung, welche bei vollkommenen Früchten auch deutlich etwas breit über den Apfel hin fortlaufen. Der Stiel ist oft sehr kurz, steht nie über die Wölbung hervor und sitzt in enger rostfarbiger Höhle.

Die Farbe der zarten, nie fettigen Schale ist schön gelb, auf dem Lager wahrhaft goldgelb, die Sonnenseite ist oft schön carmoisinroth verwaschen, doch ist bei wenig besonnten Früchten die Röthe blasser, oft nur punktiert oder wie geflammt
röthlich angelaufen. Hie und da finden sich feine graue Punkte, auch öfters schwarzbraune Rostflecken und an stark besonnten Früchten auch ein geringer gelbgrauer rostiger Anflug.

Das Fruchtfleisch ist gelblichweiß, fein, fest, saftvoll, von angenehmem reinettenartigen, dem des Borstorfer sehr ähnlichen, nur etwas fein herben Geschmack, auch riecht die Frucht etwas fein violenartig. Das Kernhaus ist bei großen Früchten sehr geräumig, die Fächer sind jedoch geschlossen, die Kerne groß und vollkommen.

Die Frucht reift im Dezember, hält sich, ohne zu welken, bis in den Sommer, und hat ihren Namen wahrscheinlich von der schönen gelben Farbe.

Der Baum wird groß und hoch, sehr alt, bleibt gesund und kömmt in rauhen Gegenden und auf schlechtem steinigen Boden, wenn er nur nicht naß ist, gut fort. Gr macht viel feines Holz und ist sehr fruchtbar. Da er nur langsam wächst, so ist es vorteilhaft, bereits erwachsene ältere Baume damit zu bepfropfen. Besonders dem Landmann zu empfehlen.

Vom Englischen Pomeranzenapfel, Orange Apple, einer zu den einfarbigen Reinetten gestellten kugelförmigen mittelgroßen Frucht ist der Obige verschieden, und wird zum Unterschied deshalb auch Deutscher Pomeranzenapfel genannt.“

Wegen der mehrfach erwähnten Schweizer Herkunft bei den Synonymen habe ich natürlich auch in Jakob Gustav Pfau-Schellenbergs (1815-1881) schönem Band 100 alte Apfel- und Birnensorten nachgeschaut. Dort wird er mit dem Hauptnamen Breitacher geführt, nennt dann aber auch die oben genannten Synonyme.

Der Breitacher sei schon seit Anfang der 1790er Jahre in der Schweiz bekannt und in beinah allen Angebauten vorhanden. Nach Deutschland sei er dann aber erst 1799 nach Deutschland gekommen sei. Diels Benennung als „Pomeranzenapfel“ hält er für nicht treffend.

Als Tafel-, Koch- und Saftapfel sei er bestens geeignet, im Verkauf erzielte er leicht den doppelten Preis anderer Äpfel. Allerdings schreibt er auch, daß der Baum kein hohes Alter erreiche, was dem Text von Langethal widerspricht.

Eine aktuelle Beschreibung gibt es bei der pro specie rara. Hier wird sie als alte Schweizer Sorte geführt, die schon vor 1774 bekannt war. Die Sorte, die ein angenehm gewürztes, festes und süßlich-saftiges Fruchtfleisch habe, eigne sich zum Dörren, Garen, Mosten/Saften und Rohgenuß. Und der Baum könnte sogar auf dem Balkon gedeihen. Die früher beliebte Tafelsorte sei heute selten, sie wird aber heute noch von einigen Baumschulen angeboten.

Und sonst:

Die Pomeranze oder Bitterorange kenne und schätze ich als Marmelade und für die Massage als Petitgrainöl. Interessant finde ich die Namensherleitung. Die Orangen kamen im 10. oder 11. Jahrhundert durch die Araber nach Spanien, ihr arabischer Name war „nārandsch“, aus dem sich die verschiedenen Varianten wie naranja, laranja, orange oder arancia bildeten.

1646 stellte der Jesuit und Botaniker Giovanni Baptista Ferrari eine Verbindung zu „Aurantium“ her, das einen Bezug zum lateinischen Wort aurum für „Gold“ und damit zur Farbe der Frucht hat. Vom lateinischen „pomum aurantium“ (= orangefarbener Apfel) leitete sich die Pomeranze ab.

Nun ja, und den Werbespot kann ich mir nicht verkneifen …

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