AdT: Buntzels Wachsrenette (07.04.2022)

Historische Abbildung eines gelblich-grünen und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo

Buntzels Wachsrenette; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist Buntzels Wachsrenette, die Abbildung stammt aus den Pomologischen Monatsheften, die 1855 von den Pomologen Eduard Lucas (1816-1882) und Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) als „Monatsschrift für Pomologie und praktischen Obstbau“ (1855-1865) gegründet wurden. Sie hieß später „Illustrierte Monatshefte für Obst- und Weinbau“ (1865-1874), eben „Pomologische Monatshefte“ (1875-1905) und „Deutsche Obstbauzeitung“ (1906-1922).

Leider habe ich dafür keine (digitalen) Quellen. Aber dank der Digitalen Sammlungen der Universitätsbibliothek Frankfurt kann neben anderen Botanischen Zeitschriften auch die Deutsche Gartenzeitung online gelesen werden.* Im 1. Jahrgang findet sich am 6. Januar 1886 eine Abbildung mit ausführlicher Beschreibung, die ein B. L. Kühn aus Rixdorf-Berlin geliefert hat. Der hatte 1901 ein Büchlein mit dem Titel „Obst- und Gemüseanbau im Hausgarten“ herausgegeben.

Nach Kühn entstand die Sorte als älterer Sämlingsstamm in der Buntzel’schen Baumschule in „Nieder-Schönweide bei Berlin“. Das dürfte der Königliche Gartenbaudirektor, Berliner Baumschulen- und Plantagenbesitzer Max Buntzel (1850-1907) gewesen sein, nach dem in Berlin eine Straße benannt wurde und dessen Villa heute zum Alexianer Krankenhaus Hedwigshöhe gehört.

1886 war der Apfel noch nicht im Handel, wurde von der Zeitschrift aber „wegen seiner Güte, Schönheit, sehr reichen Tragbarkeit und seines prachtvoll starken aromatischen Wohlgeruches“ zum Anbau empfohlen.

Es ist eine mittelgrosse, flach kugelförmige Sorte, ca. 57 mm hoch und 73 mm breit. Der Bauch neigt zum Stiel, eine Seite ist stärker ausgebildet, zudem zeigen sich fünf flache, wenig bemerkbare Rippen.

Die feine, glatte und glänzende Schale ist zunächst grüngelb, später goldgelb; bei besonnten Früchten wird sie an der Sonnenseite fast orangegelb und schwach karminfarben angehaucht. Es gibt größere Punkte, die ein dunkleres Zentrum und einen intensiv karminfarbenen Hof zeigen.

Das gelblich-weiße Fruchtfleisch ist ziemlich fest und saftreich. Der Geschmack ist süßweinig und angenehm gewürzt.

Reif ist der Apfel ab Oktober, er kann bis in den April halten und galt daher als „schöne langdauernde Tafel- und Marktfrucht und wegen ihres festen Fleisches und aromatischen Geschmackes jedenfalls ausgezeichnete Dörrfrucht“.

Der Baum „wuchs schwach, pyramidal, gesund. Sehr reich (der Mutterstamm trug bis zu 12 hl.) und fast regelmässig tragbar.“

Aus den sonst wenigen Funden zu der Sorte würde ich schließen, daß die Verbreitung dann wohl doch eher ausgeblieben ist. Was schade ist, weil ich den Apfel recht hübsch finde.

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*Auch die Biodiversity Heritage Library hat die Zeitschrift im Bestand.

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