AdT: Golden Harvey (oder Brandy Apple) (17.04.2022)

Historische Abbildung von zwi gelblich-roten Äpfel, einer mit deutlicher Zeichnung; dazu ein Zweig mit Blättern; Biodiversity Heritage Library

Golden Harvey (oder Brandy) Apple; © Biodiversity Heritage Library

Der heutige Apfel des Tages ist der Golden Harvey (oder Brandy Apple), die Abbildung stammt aus der 1811 von Thomas Andrew Knight veröffentlichten Pomona Herefordiensis*.

Damit ist klar, daß die Sorte auch für die Cider-Herstellung in Frage kommt 😄

Knight zählt zunächst drei verschiedene Apfelsorten auf, die durch den Namen „Harvey“ in Herefordshire unterschieden wurden: den Golden, den Russet und der Scotched Harvey. Von diesen wurde nur der Golden Harvey, der seinen Namen wegen der leuchtend gelben Farbe seines Fruchtfleisches (!) erhielt, gern für die Obstpresse verwendet.

Knight hält es für zweifelhaft, daß die Sorte, deren Herkunft unbekannt ist, schon im 17. Jahrhundert bekannt war, auch wenn der englische Autor, Architekt und Gartenbauer John Evelyn (1620-1706) diese bereits erwähnt haben soll. Evelyn war eines der ersten Mitglieder der Royal Society und hatte u.a. 1664 das Werk Sylva, or Discourse on Forest Trees veröffentltlicht. Allerdings findet sich in heutigen Quellen immer wieder der Verweis auf Evelyn und den Golden Harvey.

Knight argumentiert ganz interessant: Wenn der Golden Harvey bekannt gewesen wäre, hätte seine Vorzüglichkeit als Dessertapfel dazu geführt, daß er in allen Teilen Englands kultiviert und geschätzt worden wäre, wie es eben in Herefordshire der Fall sei, wo er damals als die beste Frucht ihrer Art galt.

Der vom Golden Harvey gelieferte Cider besitzt im Allgemeinen eine sehr große Stärke mit wenig Komplexität; er wurde daher auch Brandy Apple genannt. Allerdings könne er in einer sehr warmen Saison manchmal einen äußerst reichen und feinen Cider liefern.

Das spezifische Gewicht seines Saftes übersteigt mit etwa 1085 erheblich das jedes anderen Apfels, den Knight bis dahin beschrieben hatte.

Die Äpfel können von Dezember bis Mai und länger in perfektem Zustand als Dessertäpfel gelagert werden.

Bei Pomiferous gibt es aktuelle Abbildungen, dazu einige Ergänzungen. So war die Sorte, die in Viktorianischer Zeit zu den beliebtesten Dessertäpfeln zählte, Ende des 19. Jahrhunderts in der Gunst gesunken, weil die Äpfel mit rund 5 cm dem Publikum zu klein waren. Banausen! Heute findet sich die Sorte nur noch in wenigen spezialisierten Baumschulen.

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* Vollständig heißt das Werk „Pomona Herefordiensis : containing coloured engravings of the old cider and perry fruits of Herefordshire : with such new fruits as have been found to possess superior excellence : accompanied with a descriptive account of each variety“.

Das Buch wurde von Thomas Andrew Knight (1759-1838) geschrieben. Der ausgebildete Gärtner und führende Persönlichkeit in der London Horticultural Society (später als Royal Horticultural Society bekannt) hatte ein großes Erbe für die Züchtung verbesserter Obst- und Gemüsepflanzen eingesetzt.

Die Illustrationen wurden von Elizabeth Mathews und von Thomas Knights Tochter Frances angefertigt. Frances (1794-1881), bekannt als Fanny, war Botanikerin, Archäologin, Schriftstellerin und wissenschaftliche Illustratorin.

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