AdT: Kaupanger (23.04.2022)

Historische Abbildung eines gelb-rötlichen Apfels; Deutsche Gartenbaubibliothek e.V.

Kaupanger; © Deutsche Gartenbaubibliothek e.V.

Der heutige Apfel des Tages gefällt mir recht gut, ich mag diese platte Form. Es ist der Kaupanger, der aus Norwegen stammt, wobei mir auffällt, daß ich bisher noch keine skandinavische Sorte im Blog hatte. Die Abbildung findet sich im Jahrgang 1866 der Illustrierten Monatshefte für Obst- und Weinbau.

Die Zeitschrift wurde 1855 von den Pomologen Eduard Lucas (1816-1882) und Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) als „Monatsschrift für Pomologie und praktischen Obstbau“ (1855-1865) gegründet. Sie hieß dann von 1865 bis 1874 „Illustrierte Monatshefte für Obst- und Weinbau“, danach „Pomologische Monatshefte“ (1875-1905) und schließlich „Deutsche Obstbauzeitung“ (1906-1922). In der Obstsortendatenbank vom BUND Lemgo sind daraus sehr schöne Obst-Abbildungen zu finden.


Die Beschreibung stammt von Lucas. Er bekam die Sorte als Reiser, aber auch die Früchte selbst vom norwegischen Botaniker Friedrich Christian Schübeler (1815–1892). Der interessierte sich besonders für Nutzpflanzen, veröffentlichte viele populärwissenschaftliche Schriften zum Gartenbau und hat viel viel für die Entwicklung des Gartenbaus in Norwegen getan.

Der Kaupanger verdankt seinen Namen dem Dorf Kaupanger, was wiederum die erste Stadt Westnorwegens war – der Name leitet sich von „kaupang“, also etwa Handelsplatz oder Handelshafen her.

Zurück zum Apfel: Der „sehr schöne und edle Winterapfel“ gehört zu den Roten Reinetten und in die Klasse der Platten Winteräpfel mit deckfarbiger Schale und offenem Kelch.

Lucas schreibt vom Baum, daß der einen sehr gedrungenen Wuchs und viele und ziemlich stumpfe Sommertriebe habe, ähnlich dem Marmorirten Sommerpepping, der van Mons Reinette oder dem Weißen Matapfels sind; er bilde sehr hübsche Pyramiden.

Den Apfel nennt er zu Recht sehr schön plattrund gebaut, die Kelchwölbung ist durch einige sehr flache Erhabenheiten uneben.

Die glatte Schale hat ein glänzendes, blasses Goldgelb, auf der Sonnenseite zeigt sich ein marmoriertes und geflammtes Rot, das manchmal auch undeutlich gestreift ist. Rostpunkte fehlen, dagegen finden sich in der Grundfarbe zahlreiche weißliche Schalenpunkte.

Das weiße Fruchtfleisch hat einen sehr angenehmem, süßweinigen, edlen Geschmack.

Der Apfel reift Anfang bis Mitte Dezember.

Eine weiterführende Leseempfehlung habe ich noch: Martin Schmidt hat in seinem professionellen Online-Magazin Norwegen-Service auch einen sehr interessanten Artikel über alte norwegische Apfelsorten mit weiterführenden Links.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.