AdT: Longvilles Kernapfel – und nix Vokal, wo nach a kommt (31.05.2018)

Historische Abbildung zweier gelblich-rötlicher und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo

Longville’s Kernapfel; ©BUND Lemgo

Die Abbildung des Apfel des Tages stammt aus dem von Christian Eduard Langethal (1806-1878) herausgegebenen Deutschen Obstcabinet. Bei dem Namen auf der ursprünglichen Illustration hat der Lithograph geschlampt und das „e“ im Longville weggelassen …

Der britische Botaniker John Lindley (1799-1865) berichtet in seiner 1841 erschienenen Pomologia Britannica über den Longville’s Kernel, wie er in Großbritannien genannt wird. Die Sorte stammt aus Herefordshire, hat nennenswerte Verdienste, war aber damals kaum bekannt.

Wenn ich Lindley richtig verstehe, waren im Herbst reife Äpfelsorten eher selten, weshalb er zum Anbau des Longville riet. Der Baum trägt sehr gut, die Äpfel sind mittelgroß und oval. Die Schale ist grünlich-gelb und hat rote Streifen oder Flecken.

Das feste Fruchtfleisch ist duftend und hat einen angenehmen süßen, leicht säuerlichen Geschmack. Auch heute scheint er, wenn ich auf die Suchergebnisse vertraue, in Großbritannien noch immer recht bekannt zu sein.

Der Pomologe Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) bezieht sich im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF) bei seiner Beschreibung von Longvilles Sämling, wie er ihn nennt, ausdrücklich auf Lindley. In den USA sei die Sorte ebenfalls verbreitet, in Deutschland dagegen noch unbekannt. Er lobt das gute Aussehen des Apfels, das bei dezenter Streifenbildung dem Gravensteiner ähnele. Der Zweig, den er von der London Horticultural Society bekam, habe bereits im dritten Jahr getragen.

Die Schale beschreibt Oberdieck etwas ausführlicher als Lindley. Sie ist fein und ziemlich glänzend, hat auf der Schattenseite eine hellgelbe, auf der Sonnenseite eine hochgelbe Grundfarbe. Zum größten Teil ist der Apfel von feinen kurzabgesetzten Karminstreifen überzogen, dazwischen sind die leichteren roten Punkte zu finden. Die Streifen können sich bei starker Sonne kräftiger ausbilden.

Der Longville ist ein hervorragender Wirtschaftsapfel, der im September genußreif ist und bis in den Oktober hält. Durch das etwas grobkörnige Fruchtfleisch ist er für Oberdieck als Tafelapfel nicht ganz ideal. Im Gegensatz zum zeitgleich reifen Sommer-Zimtapfel, der ein feineres Fleisch hat, fehlt diesem aber die zitronenartige Würze, durch die der Longville zum Kompott und Püree sehr gut tauge.

Langethal gibt die Reifezeit übrigens schon mit Mitte August an, auch er nennt eine Haltbarkeit von einem Monat.

Und sonst:

Das weggelassene „e“ bei der Illustration hat mich an den Roman „Anton Voyls Fortgang“ (im Original „La Disparition“) des großartigen Georges Perec (1936-1982) erinnert. In dem, bei diaphanes neu aufgelegten, immerhin über 400-seitigen Buch hat Perec alle Worte mit einem „e“ vermieden. Für den kongenialen Übersetzer Eugen Helmlé keine leichte Aufgabe. Im Nachwort schrieb er: „… dabei hat der Übersetzer nicht nur einen Kiesel im Mund, sondern gleich einen ganzen Pflasterstein.“

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