AdT: Moin, 2022. Moin, Boikenapfel (01.01.2022)

Historische Abbildung zweier gelblich-rötlicher Äpfel, einer am Zweig; dazu ein aufgeschnittener Apfel mit Kerngehäuse
Boikenapfel; © BUND Lemgo

Mir liegt Heimatstolz fern, als Bremer finde ich so etwas unangemessen und bannig übertrieben. Nichtsdestotrotz freue ich mich über den ersten Apfel des Tages im neuen Jahr ein bißchen bzw. „’n büschen“. Denn der Boikenapfel stammt aus dem Bremer Umland und wurde angeblich nach einem Deichvoigt Boike benannt. Und es gibt in Bremen den Boikenapfelweg, der in einem Kleingartengebiet liegt.


Die Abbildung stammt aus dem Band „Aepfel und Birnen, die wichtigsten deutschen Kernobstsorten“, der von den Autoren Rudolph Goethe, Hermann Degenkolb und Reinhard Mertens 1894 bei Paul Parey veröffentlicht wurde; die Illustrationen hatte der renommierte Lithograph Walter Müller (1845-1927) angefertigt. Die Cornell University hat das Buch gescannt und als Public Domain bereitgestellt.

Die Beschreibung dort ist recht kurz:

Baum hat gemäßigtes, aber kerniges, gesundes Wachstum, bildet anfänglich eine hohe, später aber flachrund werdende Krone mit vielen feinholzigen, etwas hängenden Zweigen und dichter Belaubung, ist winterhart, blüht spät und ist in jedem Boden und in ungünstigen, rauen Lagen sehr dankbar, weshalb die Sorte in nördlichen Gegenden recht viel gebaut werden sollte. Nimmt noch mit leichtem, sandigen Erdreich fürlieb. Für Haus- und Grasgärten, sowie für Baumgüter und Felder.

Frucht ansehnlich groß, plattrund, gerippt, hellgelb, mit freundlich roten Backen. Fleisch weiß, an der Luft hell bleibend, saftvoll, ziemlich hart und sauer, im Frühjahr und Sommer angenehm erfrischend. Zeitigt im Januar und hält sich bis tief in den Sommer. Guter Tafel- und Markt- und sehr guter Wirtschafts- und Versandapfel, welcher sich auch besonders schön dörren lässt.

Die Schale wird im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ von Lucas und Oberdieck als auffallend fettig, zunächst hellgrün, wird bei Reife dann hellgelb beschrieben. Ein blutartiges Rot zeige sich nur auf der Sonnenseite, dort sind dann auch weißliche Punkte zu sehen. Der Geschmack wird als weinsäuerlich gezuckert, etwas gewürzt, mild und erfrischend beschrieben.

Die Sorte ist auch heute noch auf Streuobstwiesen zu finden. Und bei der sehr verdienstvollen Obstsortendatenbank des BUND Lemgo finden sich weitere schöne Abbildungen.

Der oben erwähnte Rudolph Goethe (1843-1911) gab die „Mitteilungen über Obst- und Gartenbau“ heraus, lernte am neu gegründeten Pomologischen Institut des in diesem Blog häufig anzutreffenden Eduard Lucas (1816-1882) und war von 1879 bis 1903 Direktor der Königlich Preußischen Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim.

Und sonst:

Da heute bei mir traditionell das Wiener Neujahrskonzert auf dem Programm steht, habe ich gesucht und gefunden: Von Johann Strauss jr. gibt es die 1894 uraufgeführte Operette „Jabuka“, bei der ein Apfelfest eine wichtige Rolle spielt. Christian Pollack hat ein 13-minütiges Potpourri arrangiert und mit dem Staatlichen Slowakischen Philharmonie Košice bei Naxos eingespielt hat – und jetzt: „Alles Walzer“ und „Frohes Neues“!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.