AdT: Blue Russian (09.02.2022)

Historische Abbildung eines dunkelroten und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA
Der Blue Russian; © USDA

Der heutige Apfel des Tages, der Blue Russian, ist ein optisch sehr ansprechender Apfel – selbst für mich, der ich nicht wirklich ein Fan roter Äpfel bin. Die Abbildung stammt aus der Pomological Watercolor Collection des USDA, Deborah Griscom Passmore hatte den Apfel 1904 bei John Reir in Ithaca, Richland County im Bundesstaat Wisconsin gesehen.

Und das war es dann leider auch schon wieder. Auch der Blue Russian scheint sich auf dem Markt nicht durchgesetzt zu haben, er taucht weder in den Apples of New York noch in Creighton Lee Calhouns „Old Southern Apples“ auf, auch Tom „Professor Apple“ Burfords Buch „Apples of North America – 192 Exceptional Varieties for Gardeners, Growers, and Cooks“ nennt die Sorte nicht. Um 1900 hat es, wenn ich die Apples of New York richtig lese, in den USA wohl eine Welle an Neuzüchtungen, Markteinführungsversuchen und Sorten-Importen gegeben, um den Apfelanbau in Plantagen weiter voranzutreiben. Da möchte ich auf meinen Artikel zum Arkansas Red verweisen, bei dem ich ein bißchen über die Apfel-Wirtschaftsgeschichte in Arkansas geschrieben hatte (was hoffentlich nicht so trocken ist, wie es vielleicht klingt).

Die Künstlerin

Deborah Griscom Passmore (1840–1911) war eine der Illustratorinnen des USDA, dort leitete sie die Pomologische Abteilung. Bis heute gilt sie als eine der wichtigen Künstlerinnen in diesem Bereich.

Und sonst:

Den heutigen Apfel versehe ich mal mit einem Regionalbezug und weise kurz auf den Blauen Kölner hin. Diese Sorte wurde von Diedrich Uhlhorn junior (1843-1915) in den 1890er Jahren gezüchtet, der auch den heute noch beliebten Berlepsch gezüchtet hatte. Das Blau im Namen hat er von seiner natürlichen Wachsschicht, die eben einen blauen Schimmer erzeugt. Scherzbolde sehen dagegen eine Anspielung auf den Kölner Karneval und dessen „Auswirkungen“.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat zu der Sorte ein Faltblatt herausgegeben (PDF); und ganz großartig finde ich die vom LVR unterstützten Biologischen Stationen. Sehr schön ist auch das Handbuch mit 49 Sortensteckbriefen (als Download, PDF) erhältlich, das zum Projekt „Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – vom Aussterben bedroht!“ gehört und das weit über die reine Sortenbeschreibung hinausgeht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.