AdT: Der Janusapfel (14.03.2022)

Historische Abbildung zweier Äpfel, die beide eine genau getrennte rote und helle Schale haben; außerdem ein Querschnitt und die Kerne; BUND Lemgo
Ein Janusapfel; © BUND Lemgo

Die Abbildung des heutigen Apfels des Tages stammt aus dem Deutschen Obstcabinet von Christian Eduard Langethal (1806-1878). Die Sorte trägt den passenden Namen Janusapfel.

Dabei handelt es sich um eine eigens gezüchtete Hybridbildung aus einem Streifling und einem Rosenapfel.

Langethal, dessen Abbildung die einzige in der Obstsortendatenbank ist, hatte den Apfel zur Aufnahme in sein Werk bekommen. Die Beschreibung ist recht ausführlich, ich zitiere sie hier weitgehend.

Wie gut zu sehen, ist der Apfel plattrund, die höchste Breite fällt ziemlich in die Mitte. Die Wölbung fällt gleichmäßig nach beiden Enden hin stark ab und bildet sowohl an der Kelchseite wie am Stielende eine kleine Fläche. Die Breite mißt 2 1/2 Zoll, die Höhe 2 Zoll.

Die Färbung rechtfertigt den Namen dieser interessanten Frucht, denn sie ist einerseits wie ein Streifling, andererseits blutrot, und beide Farben sind in der Mitte scharf begrenzt. Für Langethal ein Umstand, der die Schönheit des Apfels wesentlich erhöht. Man erzeugte ihn durch Kreuzung des Luykenapfels [über ihn hatte ich hier geschrieben, mhg] mit dem kavillartigen Rosenapfel.

Die beiden Hälften trennen sich in die hellere, die wie der Luykenapfel gezeichnet ist, sie weist auch den typischen grünlich-rostigen Schein an der Stielhöhle auf. Die blutrote Seite stammt dagegen vom Winterrosenapfel, nur am Stiel und am Kelch scheint die Grundfarbe durch ein Schmutzigwerden des Rots durch, dort zeigen sich feine, gelbliche Pünktchen.

Der Janusapfel weist die für die Ursprungssorten typischen kleinen Rippen an der Kelcheinsenkung auf. Zugleich zeigt sich ein ungleiches Kerngehäuse, das durch die unterschiedlichen Größen beim Luyken- und beim Winterrosenapfel verursacht wurde.

Den Apfel hatte ein Dr. Mauz in Eßlingen gezüchtet, der ihn der großen Fruchtausstellung in Naumburg im Herbst 1853 zuschickte. Langethal wiederum erhielt ihn vom Generalsekretär des Deutschen Pomologenvereins, Prof. Dr. Karl Heinrich Koch, damit ihn Langethal in sein „Deutsches Obstcabinet“ aufnehmen konnte. Langethal hatte ihn auch deshalb aufgenommen, damit durch das Gelingen guter Hybridfrüchte bezeugt werden könnte. Dr. Mauz beschäftigte sich schon mehr als 30 Jahren mit Hervorbringung von Hybridfrüchten

Am Ende bemerkt Langethal:

„Ob durch Hybriderzeugungen etwas mehr als Curiositäten gewonnen wird, ist eine andere Frage, welche die weiteren Erfahrungen später beantworten werden.“

Leider scheint Langethal den Apfel nicht gekostet zu haben – über den Geschmack, aber auch über Pflück-, Reife- und Lagerzeiten schreib er nichts.

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