AdT: Pohl’s Schlotterapfel – es gibt ihn noch (27.10.2018)

Historische Abbildung eines grünlich-roten und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo Obstsortendatenbank

Pohl’s Schlotterapfel; ©BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist Pohl’s Schlotterapfel, die Abbildung stammt aus den Pomologischen Monatsheften, die Pomologe Eduard Lucas (1816-1882) und Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) gegründet und von Friedrich Lucas fortgeführt wurden. Nachzulesen ist die Beschreibung im 1905 erschienenen Band 49.

Friedrich Lucas schreibt, daß der Apfel von „Herrn Obstbaulehrer F. Pohl“ in Neukloster in Mecklenburg gefunden und von der Berliner Baumschule L. Späth unter eben dem Namen Pohl’s Schlotter-Apfel in den Handel gebracht wurde. Späth schrieb, daß es ein schöner und sehr feiner Tafelapfel sei, der einen sehr reichen Ertrag bringe und von Dezember bis Mai genußreif sei.

Die Schale ist hellgrünlichgelb, auf der Sonnenseite lebhaft rot, dunkler marmoriert und vereinzelt gestreift.

Das weiße Fruchtfleisch ist locker und saftig, der Geschmack süßweinig mit einem prinzenapfelartigen Gewürz. Die Prinzenäpfel gehören zu den Schlotteräpfeln, die ich ja schon mehrfach beschrieben habe – sie zeichnen sich durch im Kerngehäuse lose liegend Kerne aus, die beim Schütteln des Apfels ein „schlotterndes“, klapperndes Geräusch erzeugen.

Friedrich Lucas führt noch eigene Notizen an. Der Apfel ist mittelgroß bis groß, hochgebaut, oft walzenförmig, und einige Kanten laufen vom Kelch bis zum Stiel. Auf roten Flächen der Schale sind einzelne weiße Punkte sichtbar. Das Fruchtfleisch nennt er nicht ganz so edel wie das der Prinzenäpfel. Die Früchte welken nicht, die Bäume sind widerstandsfähig und bringen jährlichen Ertrag. Durch das schöne Aussehen und ihren guten Geschmack sind die Äpfel Tafel-, Haushalts- und Marktäpfel ersten Ranges.

Und es gibt sie noch heute, auch wenn sie nie wirklich Verbreitung gefunden haben.

Auf der Seite von Obstsortenerhalt hat Jens Meyer im Februar 2015 eine ausführliche Beschreibung geschrieben, die leider mit der traurigen Notiz „vom Aussterben bedroht“ beginnt. Aber 2011 fand er eine Tüte mit Äpfel vor seiner Tür, 2014 entdeckte er in seinem Garten einen Altbaum. Das weitere bitte selbst auf der Webseite nachlesen – ich finde, es lohnt den Klick.

Und dann findet sich noch ein Eintrag in der Obstgenbank des Julius Kühn-Institutes in Dresden-Pillnitz. Dort wachsen mehr als 800 Apfelsorten und auch viele Wildarten. Ein interessantes Video über die Arbeit und Aufgaben der Obstgenbank gibt es auch, in dem eine kurze Sortenbestimmung durch einen Pomologen zu sehen ist.

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