AdT: Rambour d’été (11.02.2022)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; Biodiversity Heritage Library
Der Rambour d’été; © Biodiversity Heritage Library

Der heutige Apfel des Tages ist der Rambour d’été. Die schöne Abbildung stammt aus Band 4 der Pomologie Française, die der bedeutende französische Pomologe Pierre-Antoine Poiteau (1766-1854) im Jahr 1846 herausgegeben hat. Sie steht bei der Biodiversity Heritage Library digital zur Verfügung.

Dies ist der zweite Apfel aus Poiteaus Buch hier im Blog, und ich habe den Verdacht, daß Poiteau sich gegen den nicht gerade unbedeutenden Botaniker Henri Louis Duhamel du Monceau (1700-1782) abgrenzen will. Hatte er bei der Reinette blanche hâtive angemerkt, daß Duhamels Namensgebung mit „Vrai Drap d’Or“ irreführend sei, merkt er beim heutigen Apfel an, daß der Name Rambour d’été „aussagekräftiger und mehr wert [sei] als der in Duhamel gefundene Rambour franc, da es einen anderen namens Rambour d’hiver gibt“. Das werde ich mal beobachten – Rivalität unter Pomologen ist mir auch schon begegnet.

Der Baum wächst sehr hoch und sehr verzweigt; die Zweige wachsen auch in die Breite, obwohl die Knospen beim frühen Baum die vertikale Richtung suchen. Die Knospen sind aschgrau und ein wenig behaart. Die Blüte, die auch auf der Abbildung zu sehen ist, hat einen Durchmesser von 50 Millimetern.

Die Frucht variiert erheblich in Form, Größe und Farbe; aber da dieser Rambour recht früh reif ist und es dann wenige andere reife Sorten gibt, sei er immer leicht zu erkennen. Im allgemeinen ist er groß, an der Basis und an der Spitze sehr abgeflacht und durch einige nicht sehr ausgeprägte Rippen erhöht; manchmal erhebt sich die Spitze gerade oder schräg wie eine Hocke, und das Auge ist dann leicht eingesunken, zusammengedrückt oder zur Seite geworfen; aber meistens ist das die Vertiefung des Auges breit, tief und regelmäßig, ebenso wie die des Stiels. Dieser ist immer dick, sehr kurz und oft fleischig.

Es gibt auch Früchte, deren Höhe gleich dem Querdurchmesser ist, aber häufiger sind sie abgeflacht und 56 bis 70 Millimeter hoch und 70 bis 98 Millimeter Querdurchmesser (das nenne ich mal genau); manche sind sogar so abgeflacht, daß zwischen dem Augengrund und der Stielwurzel keine 4 cm Abstand sind.

Die zunächst blaßgrüne, glänzende Schale wird ganz oder teilweise mit unregelmäßigen oder ungleichmäßigen karminroten Bändern überzogen, sodaß einige Früchte kaum ein Rot zeigen (wie es auch in der Abbildung zu sehen ist), während andere mit einem dichten Rot überzogen sind. Die Unterseite der Schale wird bei der Reife gelb.

Das weiße, ziemlich feinkörnige Fruchtfleisch ist etwas herb. Es bekommt einen Gelbton, wenn es sehr reif ist. In anderen Quellen wird der Geschmack noch etwas mehr beschrieben. Danach ist der Apfel stark säuerlich, nicht sehr süß, aber mit einem angenehmen Duft. Er sei ein guter Kochapfel, der auch roh gegessen werden kann.

Auf der Suche nach weiteren Informationen fand ich einen Eintrag bei der Big Horse Creek Farm, die in North Carolina liegt. Ron und Suzanne Joyner züchten dort alte Sorten und bringen sie unter die Menschen. Sie haben auch etwas zum Summer Rambo (was doch gleich viel doller klingt) geschrieben: Die Genußreife wird dort mit August bis September angegeben, was für einen Sommer-Apfel ja durchaus üblich ist. Die Sorte soll früher in Maryland und Virginia sehr verbreitet gewesen sein.

Darum habe ich beim USDA nachgesehen: Es gibt dort 10 Abbildungen aus den Jahren 1896 bis 1928! Da verwundert es nicht, daß sich auch im 2. Band der Apples of New York eine umfangreiche Beschreibung findet, die die Sorte schon vor 1820 in den USA belegt; die Genußreife wird allerdings mit September bis November angegeben.

Und natürlich findet sich auch in Adam’s Apples etwas, einschließlich eines Fotos von einem sehr appetitlichen Exemplar.

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