AdT: Warner’s King und etwas Altgriechisch (09.01.2022)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen Apfels; Herefordshire Pomona
Der Warner’s King, © Biodiversity Heritage Library

Der heutige Apfel des Tages ist der Warner’s King, die Abbildung stammt aus Band 1 der Herefordshire Pomona – über sie hatte ich schon im Beitrag zum „Red Astrachan“ etwas mehr geschrieben. Der Apfel ist auch als „King Apple“, „Salopian“, „D. T. Fish“, „Nelson’s Glory“, „Weavering“ und „Killic’s Apple“ bekannt.

Die Herkunft des Apfels war nicht ganz sicher. Lewis A. Killick hatte im „Journal of Horticulture“ dazu einiges berichtet:

„Ich habe diesen Apfel in fast jedem Obstanbaugebiet und meist unter verschiedenen Namen gefunden. Obwohl ich ihn in Kent viele Jahre nicht unter dem Namen Warner’s King aufspüren konnte, bin ich aus eigener Untersuchung sicher, daß er seit fast fünfzig Jahren unter einem lokalen Namen angebaut wird. In Middlesex habe ich ihn unter dem Namen „Salopian“* gesehen. Ich züchte ihn selbst auch als „Nelsons Glory“ und „D. T. Fish“. Einer unserer führenden Gärtner importierte einen „neuen“ Apfel aus Schottland, der aufgrund seiner Größe und seines Aussehens vor drei oder vier Jahren im Crystal Palace einen guten Ruf erlangte, sich aber als „Warner’s King“ erwies. Daher denke ich, daß wir zu dem Schluß kommen können, dass Mr. Warners King der Ursprung vieler anderer Züchtungen war.“

Der Warner’s King, so Lewis A. Killick an anderer Stelle, entstand in einem Obstgarten in der Weavering Street, in der Nähe von Maidstone.

Herausgeber Robert Hogg ergänzt, daß der Baum zu etwa zwei Dritteln aus dem Devonshire Quarrenden und zu einem Drittel aus „Killick’s Big Apple“, wie er genannt wurde, entstand.

Die ovale Frucht ist sehr groß, vier Zoll breit und dreieinhalb Zoll hoch.

Die Schale ist von einheitlichem, klarem, tiefem Gelb, übersät mit rostigen Punkten und blassbraunen Rostflecken.

Der kleine, geschlossene Kelch mit langen zugespitzten Segmenten ist in ein schmales, tiefes und leicht eckiges Becken gesetzt. Der Stiel ist einen halben Zoll lang, tief in einen runden, trichterförmigen Hohlraum eingesenkt, der mit dünnem, gelblich-braunem Rost ausgekleidet ist.

Das weiße, zarte Fruchtfleisch ist knackig und saftig, mit einem feinen lebhaften und säuerlichen Geschmack.

Als Ergebnis wird der Warner’s King als feiner, schöner und kulinarischer Apfel von erstklassiger Qualität bewertet. Er hat von November bis März Saison und war um 1880 der vielleicht beliebteste Küchenapfel im Anbau und belegte in der Regel auf allen Obstmessen den ersten Platz seiner Klasse.

Der robuste Baum ist ein guter Träger und für Krankheiten nicht anfällig. Killick empfiehlt, bei schon überfüllten Obstgärten Warner’s King auf überflüssige Bäume zu pfropfen, statt diese zu roden. Er eignet sich auch als Spalier.

Und 2012 wurden zur Gründung der Weavering Community Orchard vier „Warner’s King“ gepflanzt, vielleicht sogar an der Stelle, an der die Sorte einst entstand.

Und sonst:

Da in diesem Hause auch das Altgriechisch Freunde hat, paßt es, daß der Herefordshire Pomona ein Zitat aus der Odyssee vorangestellt ist:

ζεφυρίη πνείουσα τὰ μὲν φύει, ἄλλα δὲ πέσσει.

ὄγχνη ἐπ‘ ὄγχνῃ γηράσκει, μῆλον δ‘ ἐπὶ μήλῳ,

αὐτὰρ ἐπὶ σταφυλῇ σταφυλή, σῦκον δ‘ ἐπὶ σύκῳ.

Johann Heinrich Voß übersetzte das 1781 so:

„vom linden Weste gefächelt,

Blühen die Knospen dort, hier zeitigten schwellende Früchte:

Birnen reifen auf Birnen, auf Äpfel röten sich Äpfel,

Trauben auf Trauben erdunkeln, und Feigen schrumpfen auf Feigen.“

Es beschreibt den Garten im Palast Alkinoos‘. Ich empfehle, die ganze Szene ab Zeile 81 zu lesen, „Aber Odysseus / Ging zu Alkinoos‘ hohem Palast.“

………………..

* „Salop“ steht für die Grafschaft Shropshire, die wiederum an Herfordshire grenzt.

2 Antworten auf „AdT: Warner’s King und etwas Altgriechisch (09.01.2022)“

  1. Ich bin Pfarrer und lebe in Thusis/Graubünden in der Schweiz. Wir haben in unserem ehemals riesigen Pfarrgarten noch einige wenige alte Apfelbäume. Eine Sorte war mir nicht bekannt. Von dieser habe ich eine Gen-Probe machen lassen und diese hat sich als Warner Kings Apfel herausgestellt. Er ist den Pomologen von fructus in der Schweiz nicht bekannt.
    Vielleicht ist diese Info für eine allfällige Kartographierung von Bedeutung.
    Freundliche Grüsse
    Jörg M. Wuttge

    1. Sehr geehrter Herr Wuttge, bitte entschuldigen Sie meinen späten Dank für Ihren Kommentar.
      Das ist eine sehr schöne Nachricht – und ein tolles Engagement, daß Sie eine Genprobe haben testen lassen. (Und sehr schade, daß der Pfarrgarten nicht mehr so groß ist.)
      Ich bin beim Zusammentragen von Informationen ja immer wieder begeistert, welche Wege früher Reiser genommen haben und wie rege wohl der Austausch war. Gibt es Informationen, ob einer Ihrer Vorgänger vielleicht pomologisch aktiv war?
      Und können Sie die (wenigen) beschriebenen Eigenschaften der Sorte bestätigen? Wobei das gänzlich andere Anbaugebiet sicher auch Unterschiede hervorbringen kann.
      Herzliche Grüße und einen schönen Frühling
      Michael H. Gerloff

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