AdT: Gelber Englischer Gülderling (08.01.2022)

Historische Abbildung eines grünen und eines grün-rötlichen, eines aufgeschnittenen Apfels und des Kerhgehäuses mit Kernen; BUND Lemgo
Der Gelbe Englische Gülderling; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist der Gelbe Englische Gülderling, auch als Goldgulderling bekannt.

Er wurde im 19. Jahrhundert von renommierten Pomologen wie Adrian Diel (1756-1839), Johann Georg Dittrich (1783-1842) oder Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) beschrieben.

Gustav v. Flotow (1789-1864) erwähnt im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF), daß nach seiner Kenntnis der Apfel in England nicht bekannt sei und daher die Bezeichnung Goldgulderling die passendere sei. Es gibt aber auch die Vermutung, daß es ursprünglich ein Zufallssämling aus England gewesen sein könnte. Die Sorte wird auch heute noch von Baumschulen angeboten.

Diel, der sehr viele Sorten erstmalig verbindlich beschrieben hat, nennt als typische Merkmale für die Gülderlinge festes, feinkörniges Fruchtfleisch und guten, süßsäuerlichen Geschmack, allerdings ohne Würze. Um den Kelch herum zeigten sich häufig Rippen. Die Schale zeige häufiger leichte Berostung, meist sei sie gelbgrün, nur selten sieht man eine Färbung. Von der goldenen Farbe leitet sich auch der Name ab.

Die Abbildung stammt aus dem 1858 von Christian Eduard Langethal (1806-1878) herausgegebenen Deutschen Obstcabinet.

Er beschreibt seine ihm vorliegenden Äpfel ohne große Abweichung von Diel, er ergänzt aber die Größe: 3 Zoll breit und fast 1/2 Zoll weniger hoch.

Der geschlossene Kelch ist mit vielen feinen Rippchen umgeben; oben auf der stumpfen Spitze der Frucht ziehen sich 6 oder 7 Rippchen fein kantig bis zur Stielwölbung hin.

Der kurze Stiel liegt in einer tiefen, nicht sehr geräumigen glatten Höhle.

„Die sehr feine Schale ist glänzend hellgrün, später hellstrohgelb, selten mit etwas Röthe, doch mit vielen, sehr feinen, weißlichen, grün eingefaßten Punkten (die, wie die Abbildung zeigt, in dem sich bisweilen zeigenden Roth größer werden und roth gefärbt sind).“

Das weiße Fruchtfleisch beschreibt er als locker, weich, fast schmelzend, saftig, von „delicatem Traubengeschmack“, so daß er den Apfel dem Weißen Wintercalvill ähnlich nennt. Auch beim Goldgulderling tritt ein violenartigen Duft auf und die Schale welkt nicht.

Das Kern-Gehäuse sei oft sehr groß, die Kammern weit und geräumig, zuweilen unregelmäßig.

Der Apfel ist schon im November genießbar, hält sich gut bis in den Februar hinein, was ihn zu einem lohnenden Baum macht. Er wächst in der Jugend lebhaft und stark, verlangt jedoch guten Boden und warmen Stand.

Franz Jahn (1806-1867) fügt aber als Bemerkung einschränkend an, daß man mit dieser Sorte, was den Ertrag und die Brauchbarkeit der Frucht betrifft, zwar ganz zufrieden sein könne. Doch habe er

„gerade den hohen Wohlgeschmack noch nicht an dem Apfel wahrnehmen können, hinsichtlich dessen ihn Diel dem Weißen Wintercalvill vergleicht. Der Geschmack ist sogar, besonders nach kühlen Sommern, etwas gewürzlos und matt. Doch mag er in wärmeren Gegenden und am Spaliere an Güte gewinnen.“

Und sonst:

Guido Renis Gemälde zeigt die Göttin Atalanta, die sich nach einem von Ippomene fallengelassenen goldenen Apfel bückt
Guido Renis Gemälde „Atalanta e Ippomene“, The Yorck Project

Ich hatte ja schon auf den Goldenen Apfel und das Urteil des Paris hingewiesen. Es gibt einen weiteren griechischen Mythos, der mit goldenen Äpfeln zu tun hat: Atalante ist eine jungfräuliche Jägerin, die von Hippomenes durch drei goldene Äpfel bei einem Wettrennen besiegt wurde – und ihn heiraten mußte …

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