AdT: Colton (04.01.2022)

Historische Abbildung eines grünlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; USDA
Colton, ©USDA

Der heutige Apfel des Tages ist der US-amerikanische Colton. Er soll auf der Farm eines Mr. Colton in Rowe, Franklin County in Massachusetts entstanden sein, wo er seit ca. 1840 unter dem Namen Early Colton vermehrt wurde. Damit ist es eine der nicht eben seltenen Sorten, die nach ihrem Züchter benannt wurden. Das „Early“ bezieht sich auf seine frühe Reife: Er hat von Ende Juli bis Anfang September Saison, ist also ein richtiger Sommerapfel. Er wird in den USA auch heute noch in Baumschulen angeboten.

Die Beschreibung zum Apfel fand ich im 2. Band der Apples of New York. Dort wird der Colton als Apfel von mittlerer bis guter Qualität bezeichnet.

Der Baum wächst groß mit mäßig langen, kräftigen, schiefen Ästen. Die in der Jugend noch eher aufrechte Wuchsform flacht ab, der Baum wird ausladend und offen. Die dunkelbraune Rinde ist stark gefleckt. Er weist zahlreiche, ziemlich auffällige, mittelgroße bis große Lentizellen auf. Die Knospen sind mittelgroß bis groß, breit, rundlich, spitz.

Der Apfel ist mittelgroß und rundlich. Zu beiden Enden hin wird er schmaler und ist leicht gerippt. Der Stiel ist mittellang und kräftig. Die Stielhöhle ist klein, spitz bis schwach zugespitzt, flach und schmal. Der Kelch ist mittelgroß und fast geschlossen.

Die Schale ist blass grünlich-gelb, manchmal weist sie eine Schattierung auf oder geht ins Rote. Grünliche Punkte sind zahlreich, sie können groß werden.

Das Fruchtfleisch ist weißlich, eher grob, knackig, saftig, der Geschmack mild säuerlich, mittel bis gut.

Der Baum ist winterhart, trägt schon bald und bringt alle zwei Jahre gute Ernten.

Die Künstlerin:

Über Harriet L. Thompson, die den Colton 1915 auf der Arlington Farm in Rosslyn, Virginia, gemalt hat, habe ich bisher nichts herausbekommen. Im Gegensatz zu den in diesem Blog häufig vertretenen Künstlerinnen Deborah Griscom Passmore, Ellen Isham Schutt oder Amanda Almira Newton ist sie in der USDA-Datenbank allerdings auch nur mit 25 Abbildungen vertreten, was relativ wenig ist. Bis auf eine wurden alle 1915 angefertigt, was darauf schließen läßt, daß sie dort nicht lange beschäftigt war. Daß es von ihr dann noch ein Aquarell aus dem Jahr 1938 gibt, also fast 25 Jahre später, finde ich interessant. Im Gegensatz zu den bei USDA zwei anderen vorhandenen Abbildungen hat Thompson eine grüne Variante gezeichnet.

Und sonst:

Mich fasziniert schon lange das Phänomen der Geisterstädte. Zu solchen aufgegebenen Städten gehört Colton im Bundesstaat Utah.

Colton wurde 1883 als Pleasant Valley Junction gegründet. Um 1898 wurde es nach dem Eisenbahn-Beamten William F. Colton eben in „Colton“ umbenannt (eine Parallele zum Apfel). Zu der Zeit war es ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt der Denver and Rio Grande Western Railroad; damals unterstützten Schublokomotiven dort die regulären Züge in der hügeligen Landschaft.

Zudem florierte Colton durch den Bergbau in der Gegend. Durch das große Minen-Unglück im 20 km entfernten Scofield am 1. Mai 1900, bei dem über 200 Bergleute starben, wurde die Gegend auch wirtschaftlich erschüttert, Colton überstand die Krise. Die Stadt, in der in besten Zeit etwas mehr als 400 Menschen wohnten, brannte drei Mal ab und wurde jedes Mal wieder aufgebaut.

Blick auf den Colton Hilltop Coutry Store, ein flaches Gebäude in hügeliger Landschaft
Der Colton Hilltop Country Store, 2009; © wikimedia, Ntsimp

Als in den 1950ern durch die starken Diesellokomotiven die Stadt ihre Bedeutung verlor, wurde sie aufgegeben, die meisten Gebäude waren bereits in den 70er Jahren verschwunden. Heute gibt es neben ein paar Häusern noch den Hilltop Country Store. Jacob Barlow hat einen Blogeintrag über einen Besuch dort geschrieben.

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© U.S. Department of Agriculture Pomological Watercolor Collection. Rare and Special Collections, National Agricultural Library, Beltsville, MD 20705

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