AdT: Fameuse – ganz famos (28.05.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen Apfels; BUND Lemgo Obstsortendatenbank
Die Fameuse; ©BUND Lemgo

Den heutigen Apfel des Tages, die Fameuse, beschreibt Rudolf Stoll (1847-1913) in seiner „Österreichisch-Ungarischen Pomologie“. Der Apfel wurde seit dem 18. Jahrhundert besonders in Kanada und den angrenzenden US-Staaten angebaut. Seine Herkunft ist nicht sicher. Creighton Lee Calhoun nennt in seinen „Old Southern Apples“ zwei Varianten:

Es könnte eine alte französische Sorte sein, die als Sprößlinge um 1700 von Franzosen nach Nordamerika oder Kanada gebracht wurde. Wahrscheinlicher ist, daß Samen mitgebracht wurden. Eine andere Entstehung nennt besagt, daß ein Obstgarten mit Fameuse-Bäumen von hessischen Gefangenen gepflanzt wurde, die während des Unabhängigkeitskrieges in der Nähe von Winchester, Virginia, interniert waren. Einige der Bäume lebten bis in die 1930er Jahre. Und auch heute wird dieser Sorte noch angebaut, wie der Bericht von Adam oder die interessante Website von Vintage Virginia Apples belegt.

Nach Europa kamen die mittelgroßen Äpfel 1794 zunächst nach Brompton bei London. Stoll selbst erhielt 1882 Reiser aus Kanada. Dort war die Sorte wegen des großen Ertrags, des ausgezeichneten Geschmacks und seines hervorragenden Aussehens lange ein Verkaufsschlager, auch das 1905 erschienene, wirtschaftlich orientierte Werk Apples of New York empfahl den Anbau der Fameuse. Synonyme sind Chimney Apple, Chimney Point, Snow, Pomme de Neige, Sanguineus, Red American, Royal Snow. Den „Schnee“ im Namen hat die Sorte wegen des weißen Fruchtfleisches. Chimney Point ist ein Dorf in Vermont, daß Franzosen gegründet hatten und in dem auch Fameuse-Bäume standen, die eventuell aus Kanada mitgebracht wurden.

Die sehr feine, sehr glatte Schale ist stark glänzend. Grundfarbe ist ein wachsartiges Weiß, das allerdings nur auf der Schattenseite etwas zu sehen ist, da die Frucht über und über mit feinen, langen und kürzeren, kurzabgesetzten blutroten Streifen überzogen ist. Auf der Sonnenseite sind diese etwas verwaschen. Dazwischen sind feine Punkte zu sehen, die ein helles Braun zeigen.

Das schneeweiße Fruchtfleisch ist fein, weich und saftig, und hat einen delikaten, schwach säuerlichen Erdbeergeschmack. Was gar nicht so selten als Beschreibung auftaucht: beim Gestreiften Rothen Ostercalville, bei der Kronreinette, bei Wilhelm Von Elsners Sämling und dem Weißen Winterkalvill wurde dieser Geschmack bereits genannt.

Der Apfel reift im Oktober und kann bis in den Dezember hinein gelagert werden. Er eignet sich sowohl als Tafel- oder Küchenapfel, für die Saft- und Ciderproduktion und zum Dörren.

Und sonst:

Und da mich diese kleinen Betriebe faszinieren, die sich um den Erhalt alter Sorten bemühen, empfehle ich die Seite der schon oben genannten „Vintage Virginia Apples“.

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