AdT: Garter – Ein Schuft, wer Böses dabei denkt (03.04.2022)

Historische Abbildung von zwei roten Äpfeln mit Zweig und Blättern; Biodiversity Heritage Library
Der Garter; © Biodiversity Heritage Library

Der heutige Apfel des Tages ist der Garter, die schöne Abbildung stammt aus der 1811 von Thomas Andrew Knight veröffentlichten Pomona Herefordiensis*.

Die Sorte wurde, wie Knight anmerkt, von keinem der Pomologen-Autoren erwähnt, mit denen er bekannt war. Sie sei während des Verfalls der älteren und wertvolleren Varietäten viel kultiviert worden. Ich hoffe, über diesen Verfall im Laufe des Jahres noch etwas mehr zu erfahren.

Der Garter hat nur einen geringen Zuckergehalt, was für die Ciderherstellung nachteilig ist. Wenn er aber anderen, wertvolleren Sorten beigemischt wird, führt das nach Knight zu ausgezeichneten Apfelweinen.

Das spezifische Gewicht weist auf den Fruchtzucker- und Mineralgehalt hin und ist für die Herstellung von Apfelwein, Most oder Cider relevant. Beim Garter überstieg es, auch wenn er aus einer sehr guten Probe der Frucht gewonnen wurde, den Wert von 1066 nicht und war in anderen Fällen beträchtlich niedriger.

Leider ist in der Ausgabe der Biodiversity Heritage Library nichts über die weiteren Eigenschaften der Schale oder des Fruchtfleisches zu finden.

Ich habe bei der Suche aber eine weitere, neue Quelle gefunden: Pomiferous. Das ist eine Datenbank, die nach eigenen Angaben Informationen zu über 7.000 Sorten aus aller Welt bietet. Betrieben wird sie von George Gruenfeld und Paul Hill, und die Benutzung ist eine wahre Freude. So können Sorten für bestimmte Verwendungen gesucht oder die Pflückzeiten der Sorten im eigenen Garten berechnet werden. Und natürlich haben sie auch etwas zum Garter geschrieben, interessanterweise zitieren sie auch mehr, als in der Biodiversity Heritage Library zu lesen ist. Danach soll Knight den Garter zuätzlich als

„Frucht mittelgroß, länglich, sich von der Basis bis zur Krone verjüngend, perfekt rund im Umfang und frei von Kanten. Auge ein wenig eingesunken und durch die kurzen Segmente des Kelchs geschlossen; Stiel kurz; Schale auf der Schattenseite blassgelb, aber dort, wo sie der Sonne ausgesetzt ist, von einem leuchtend lebhaften Rot, mit dunkleren Streifen und Flecken bis an das obere Ende beschattet.“

beschrieben haben.

Und sonst:

„Garter“ bedeutet „Strumpfband“. Auch nach längerem Betrachten der Abbildung bin ich nicht dahinter gekommen, warum diese Sorte so genannt wurde. Immerhin hat es dazu geführt, daß ich endlich etwas über den Hosenbandorden und dessen Geschichte gelesen habe.

Und bei dem spezifischen Gewicht von 1066 ließ der Gedanke an die Schlacht von Hastings und die Normannische Eroberung Englands nicht lange auf sich warten.

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* Vollständig heißt das Werk „Pomona Herefordiensis : containing coloured engravings of the old cider and perry fruits of Herefordshire : with such new fruits as have been found to possess superior excellence : accompanied with a descriptive account of each variety“.

Das Buch wurde von Thomas Andrew Knight (1759-1838) geschrieben. Der ausgebildete Gärtner und führende Persönlichkeit in der London Horticultural Society (später als Royal Horticultural Society bekannt) hatte ein großes Erbe für die Züchtung verbesserter Obst- und Gemüsepflanzen eingesetzt.

Die Illustrationen wurden von Elizabeth Mathews und von Thomas Knights Tochter Frances angefertigt. Frances (1794-1881), bekannt als Fanny, war Botanikerin, Archäologin, Schriftstellerin und wissenschaftliche Illustratorin.

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