AdT: Reinette Von Bretagne – und Rilke (26.04.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen Apfels; BUND Lemgo
Reinette von Bretagne; ©BUND Lemgo

Beim heutigen Apfel des Tages, der Reinette von Bretagne, legt Johann Prokop Mayer (1737-1804) die Latte aber mal sehr hoch: „Es ist schwerlich möglich, eine schönere Frucht zu sehen, als diese ist.“ Und schwelgt ganz poetisch weiter:

„Sie ist halb roth und halb braun, mit schönen goldenen Sternen übersäet. Nichts fehlt ihr, als noch ein himmelblauer Grund, und man würde ihr sodann den Namen: Firmamentapfel, mit dem größten Recht beilegen, und sie das Gewölb des Himmels, nach der Natur, vorstellen.“

Der Apfel heißt auch Rote Reinette oder Forellen-Reinette. Letzteres führt Mayer auf die kleinen sternförmigen Tupfen zurück, die der Schale eine gewissen Rauhigkeit geben. Als Grundfarbe gibt es ein grünliches Gelb, das sich später ins Goldgelb wandelt. Auf der Sonnenseite zeigt sich ein leichtes Rot, das in undeutlichen Streifen auftaucht.

Das weißgelbliche, feste Fruchtfleisch ist recht saftig. Der Geschmack ist – typisch für die Reinetten – gewürzhaft-weinig und süß, sofern der Boden eine lockere Beschaffenheit hat. In zu festem Boden kann nach Mayer der Geschmack zum Sauren tendieren.

Nach Theodor Engelbrecht (1813-1892) und Pomologe Eduard Lucas (1816-1882) ist der Apfel von November bis Januar genußreif.

Und sonst:

Nach dem poetischen Einstieg endet es mit einem Gedicht von Rainer Maria Rilkes aus dem Band „Der neuen Gedichte anderer Teil“, der 1908 erschien:

DER APFELGARTEN
Borgeby-Gard

Komm gleich nach dem Sonnenuntergange,
sieh das Abendgrün des Rasengrunds;
ist es nicht, als hätten wir es lange
angesammelt und erspart in uns,

uni es jetzt aus Fühlen und Erinnern,
neuer Hoffnung, halbvergeßnem Freun,
noch vermischt mit Dunkel aus dem Innern,
in Gedanken vor uns hinzustreun

unter Bäume wie von Dürer, die
das Gewicht von hundert Arbeitstagen
in den überfüllten Früchten tragen,
dienend, voll Geduld, versuchend, wie

das, was alle Maße übersteigt,
noch zu heben ist und hinzugeben,
wenn man willig, durch ein langes Leben
nur das Eine will und wächst und schweigt.

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